Ihr Antrag mit der laufenden Nummer V-01 enthält deshalb eine klare Forderung: "Vor der Verlesung der Ergebnisse der Männer-Bundesliga müssen die Ergebnisse der Frauen-Fußball-Bundesliga verlesen werden." Begründung: Es sei "vernünftig", bei der auf Grünen-Parteitagen traditionellen Verkündung der Fußballergebnisse "Geschlechtergerechtigkeit" walten zu lassen.
Der Vorstoß aus der Abteilung Folklore dürfte für Heiterkeit sorgen. Dabei ist der Partei eigentlich wenig nach Lachen zu Mute. Ein Jahr nach dem Regierungsverlust in Berlin und der politischen Selbstverrentung ihrer Ikone Joschka Fischer herrscht Verunsicherung an der grünen Basis. Vom Führungsduo Claudia Roth und Reinhard Bütikofer kommen kaum Impulse. Debatten wie die über künftige Regierungsbündnisse haben beide rigoros abgewürgt. Als Gegengewicht empfehlen sich die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Fritz Kuhn, was die Frage aufwirft, wer in der Partei eigentlich führt. In dieser Situation ist der Rückgriff auf Vertrautes sicher nicht die schlechteste Idee, um das Profil der Grünen zu schärfen. So wird sich der Kölner Parteitag vor allem mit dem Klimaschutz beschäftigen. Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke erwartet dazu eine *am p*bdquo;spannende Debatte". Zwar setzen alle Parteigänger auf erneuerbare Energien. Die Parteispitze geht aber davon aus, dass auch die Nutzung fossiler Energiequellen für einen gewissen Übergangszeitraum unvermeidlich bleibt. Eine starke Minderheit um den grünen Energie-Experten Hans-Josef Fell fordert dagegen eine "Null-Emmissions-Strategie", bei der fossile Brennstoffe keine Rolle mehr spielen sollen.
Kontroversen werden auch beim zweiten großen Thema, der Sicherung des Sozialstaates, erwartet. An der Basis gibt es viel Sympathie für ein "bedingungsloses Grundeinkommen". Bundestagsfraktion und Parteivorstand machen sich für eine "Grundsicherung" nach dem Bedürftigkeitsprinzip stark. Endgültig entschieden wird über die beiden Konzepte aber erst im nächsten Jahr. Das gilt auch für die geplante Ausarbeitung von "Grundlinien" einer zukünftigen Friedens- und Sicherheitspolitik. Dazu will der Parteivorstand eine Kommission einsetzen, die auch "Verlauf und Ergebnisse der Auslandseinsätze der Bundeswehr bewerten" soll. Parteiinterne Gegner von Ex-Außenminister Fischer verbinden damit die Hoffnung, grüne Voten für internationale Kampfeinsätze der Bundeswehr zu revidieren.
Eine ureigene Erfahrung lehrt, dass sich grüne Parteitage häufig ein Ventil suchen, um der "Regie von oben" ein Schnippchen zu schlagen. Beobachter rechnen deshalb schon mit womöglich dürftigen Wahlergebnissen für die Grünen-Spitze. In Köln werden Vorstand und Parteirat komplett neu bestimmt. Roth und Bütikofer haben dabei einen Stimmenanteil von 77,9 beziehungsweise 85 Prozent zu verteidigen. Soviel erhielten beide Politiker bei der Wahl vor zwei Jahren in Kiel. Gegenkandidaten haben sie nicht. Frühere Spekulationen, Ex-Umweltminister Jürgen Trittin könnte nach dem Vorsitz greifen, sind verstummt, weil ihm der nötige Rückhalt dafür fehlt.