Thomas Laackmann ist gerade vom Ebola-Hilfseinsatz aus Liberia zurückgekehrt. Er war Einsatzleiter des ersten Hilfsteams, das die Katastrophenhilfe Isar Deutschland (Duisburg) nach Liberia geschickt hat. Er sitzt am Mittwoch bei einer Pressekonferenz im niederrheinischen Weeze am Podium und erzählt Journalisten vom Aufbau der beiden Isolierzelte in der Hauptstadt Monrovia. Immer wieder muss er auf Fragen antworten, die mit dem Infektionsrisiko für die Helfer zu tun haben. "Wir gehen davon aus, wir haben kein Ebola", sagt er, und das klingt sehr sicher.

Jede Stunde messen er und seine Kollegen - ein Mann und eine Frau - Fieber. Laackmann zieht wie zum Beweis sein Fieberthermometer aus seiner Hosentasche. "Fieber heißt nicht automatisch Ebola", sagt er. Aber man müsste dann die Ursache suchen. Typisch für eine Ebola-Infektion seien plötzlich auftretendes starkes Fieber, Durchfall und starke Schmerzen. Nach Angaben von Medizinern ist Ebola erst bei Fieber oder anderen Beschwerden ansteckend.

Viermal sind er und seine Kollegen bei der Rückreise medizinisch untersucht worden. Dass in den USA weltweit erstmals ein Ebola-Fall außerhalb Afrikas diagnostiziert worden ist, hat er gehört.

Der Patient war aus dem westafrikanischen Liberia in die USA eingereist und hat erst einige Tage danach Ebola-typische Symptome entwickelt.

Laackmann ist kein Mann, der Panik macht. Aber in der Sprache wird er sehr klar: "Wenn wir nicht in die Puschen kommen und versuchen, einen Keil in die Übertragungskette zu schlagen, kann es die Gefahr geben, dass Ebola nach Deutschland kommt", sagt er. Immer mehr Menschen würden infiziert. Er hat die Machtlosigkeit gesehen. Seine Eindrücke aus Liberia sind frisch.

Er erzählt und zeigt Fotos: Von einem toten Mann, der am Straßenrand gestorben ist. Menschen hatten ihm noch Wasser und Lebensmittel hingestellt. Das Bild von Menschen auf einem Pickup, die vor einer überfüllten Isolierstation warten. Die Leute in einem Bretterverschlag vor der Station, die auf Aufnahme hoffen - bei 45 Grad Hitze.

Man kann etwas tun. Das ist die Botschaft der Hilfswerke aus Nordrhein-Westfalen: ISAR Deutschland und Medikamentenhilfswerk Action Medeor an diesem Morgen. In knapp zwei Wochen haben die Helfer aus NRW zwei klimatisierte High-Tech-Zelte aufgestellt, mit je 22 Betten, durch Vorhänge voneinander abgetrennt. Je besser die Bedingungen für die Patienten, desto größer die Überlebenschancen, sei mittlerweile die Erfahrung.

Guinea, Sierra Leone und Liberia sind am stärksten von der Epidemie betroffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ihr bereits mehr als 3000 Menschen zum Opfer gefallen. Die WHO rechnet mit einer hohen Dunkelziffer.

Laackmann hat an dem Morgen bei der Begrüßung niemandem die Hand gegeben. Das sitzt aus den letzten Wochen in ihm drin: kein Händeschütteln bei dem Einsatz, mindestens einen halben Meter Abstand, Händewaschen und den Gebrauch von Desinfektionsmitteln, literweise. Das gehörte zu den Vorsichtsmaßnahmen, obwohl das Helferteam keinen direkten Kontakt mit Ebola-Patienten hatte.

Rückblickend hält Laackmann das Risiko für Helfer bei einem Einsatz wie diesem für relativ gering. Vorsichtig müsse man sein, die Regeln befolgen. "Um an dem Virus zu erkranken, muss schon einiges passieren", sagt Laackmann. Da müsse man schon grob fahrlässig sein.