Ursache sei nicht zuletzt die mehrfache öffentliche Enttarnung von Verfassungsschutz-Informanten wie im Fall „Piato“ , bei der V-Mann-Affäre um den Verkauf einer rechtsextremistischen Mordaufruf-CD, aber auch im Zuge des NPD-Verbotsverfahrens.
Im vergangenen Jahr war der Brandenburger Verfassungsschutz ins Zwielicht geraten, weil der V-Mann Toni S. sich an Produktion und Vertrieb einer rechtsextremen CD mit Mordaufrufen gegen Prominente beteiligt hatte und deswegen inzwischen von einem Berliner Gericht verurteilt wurde. Schönbohm hatte damals das Vorgehen der Berliner Sicherheitsbehörden massiv kritisiert, weil sie ohne Abstimmung mit Brandenburg den V-Mann verhafteten und durch Indiskretionen auffliegen ließen. Seitdem sei es der Behörde nicht gelungen, neue V-Leute anzuwerben, sagte Schönbohm.
Wegesin betonte, dass der Verfassungsschutz Konsequenzen aus dem Fall Toni S. gezogen habe. Das „juristische Controling“ bei Aktionen sei verschärft worden, um sicherzustellen, dass V-Leute keine Straftaten begehen.
Nach dem jüngsten Verfassungsschutzbericht hat sich in Brandenburg insbesondere die Zahl der Ausländerextremisten auf 205 (2001: 115) nahezu verdoppelt, was jedoch auch mit der verschärften Beobachtung solcher Milieus seit dem 11. September erklärt wird. 50 islamistische Extremisten hat die Behörde dabei besonders im Visier. Schönbohm warnte erneut davor, dass militante islamistische Gruppen aber auch Terroristen Brandenburg als Rückzugs- oder Vorbereitungsraum nutzen könnten. „Diese Gefahr ist real und konkret.“
Zur rechtsextremen Szene - neben dem Terrorismus laut Schönmbohm die größte sicherheitspolitische Herausforderung - zählt der Verfassungsschutz derzeit landesweit 1280 Aktivisten - 90 weniger als 2001. Der harte, gewaltbereite Kern umfasst 580 Personen, was gemessen an der Bevölkerung „weiterhin über dem Bundesdurchschnitt“ liegt. Dem stehen 715 Linksextremisten - 45 mehr als im Vorjahr - gegenüber.