Vor allem an einem Teil der Beschlüsse von Elmau entzündet sich die Debatte: Neben dem Ziel, die Erderwärmung unter zwei Grad halten zu wollen, hatten sich die sieben Staatschefs auch zur Verringerung der Treibhausgase bis 2050 um bis zu 70 Prozent bekannt und die "Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Lauf dieses Jahrhunderts" als Vision beschworen. Also eine Wirtschaft ohne Öl, Gas und Kohle. Daraufhin passierte, was noch nie nach einem G7-Gipfel geschah: Die Umweltorganisation Greenpeace zeigte sich zufrieden. "Elmau hat geliefert", erklärte die Organisation, der Abgesang auf die Kohle sei angestimmt. Auch "Germanwatch" sprach von einem überraschend starken Ergebnis, und die Umweltstiftung WWF sagte: "Die Richtung stimmt, nun kommt es auf die weitere Ausgestaltung an."

Besonders in Deutschland. Denn dort geht es gerade um den Umgang mit der Kohle. Die Grünen verlangten von Merkel, "nun die alten Braunkohlekraftwerke abzuschalten", wie ihre Energieexpertin Bärbel Höhn der RUNDSCHAU sagte. "Sonst ist der G7-Gipfel unglaubwürdig." Wenn die Kohlekraftwerke nicht gedrosselt würden, "wird die Kanzlerin ihre eigenen Energiesparziele bis 2020 krachend verfehlen".

Höhns Fraktionschef Anton Hofreiter kritisierte, dass Merkel die Vorschläge von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für eine Klimaschutzabgabe für alte Kohlekraftwerke zu wenig unterstütze. Sie dulde eine "Kohle-Achse", die von Unionsfraktionschef Volker Kauder bis zur Gewerkschaft IG BCE reiche. Das werde Merkel international noch auf die Füße fallen.

Etwas zurückhaltender formulierte es mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sogar ein Regierungsmitglied: "In Deutschland kann angesichts dieser klaren Richtungsentscheidung der G7-Staaten niemand mehr die Augen davor verschließen, dass wir jetzt systematisch den Strukturwandel in den Kohleregionen angehen müssen", sagte sie. "Wer so tut, als ob Kohlekraftwerke so weiter betrieben können wie bisher, drückt sich vor politischer Verantwortung."

Allerdings ist Gabriels Vorschlag einer CO-Abgabe auf alte Kohle-Kraftwerke auch in den eigenen Reihen umstritten, besonders in den Kohleländern und in der Gewerkschaft IG BCE. Diese hatte zuletzt zusammen mit dem BDI einen Alternativvorschlag vorgelegt, wonach die gleiche Einsparung billiger ohne die Abgabe zu erzielen wäre - vor allem durch den Ausbau der Kraft-Wärmekopplung. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sagte auf Anfrage, wichtig sei, dass die 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid bei der Energieerzeugung eingespart würden, nicht der Weg. Wenn die CO-Abgabe zu "Strukturbrüchen" führe, müsse man nach Alternativen suchen. Auf der anderen Seite sei auch die Erhöhung des Anteils der Kraft-Wärme-Kopplung nicht zum Nulltarif zu haben. Falls der Strompreis dadurch zu sehr steige, müsse die Stromsteuer sinken, forderte Heil.

Vorsorglich appellierte Heil bereits an die Union, "die Bekenntnisse der Kanzlerin zum Klimaschutz ernst zu nehmen". Erwartet wird eine Entscheidung noch im Juni.