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| 16:38 Uhr

Erntebeginn im Spreewald
SOS! Spreewaldgurke in Not

Ein Gurkenflieger, auf dem die Erntehelfer liegen und Einlegegurken pflücken, ist auf einem Feld des Spreewaldbauern Ricken zu sehen.
Ein Gurkenflieger, auf dem die Erntehelfer liegen und Einlegegurken pflücken, ist auf einem Feld des Spreewaldbauern Ricken zu sehen. FOTO: ZB / Patrick Pleul
Sellendorf. Zum Erntestart warnen Anbauer vor schwindender Wirtschaftlichkeit. Von Ingvil Schirling

Es wird immer schwieriger, mit Spreewaldgurken Geld zu verdienen. Und das, obwohl die regionale Dachmarke, kurze Wege zur Verarbeitung und gute Vernetzung beste Voraussetzungen bieten. Beim offiziellen Start in die Gurkenernte am Donnerstag in Sellendorf bei Golßen in Dahme-Spreewald überwogen die kritischen Töne.

Heinz-Peter Frehn vom gleichnamigen Gurkenhof sagte: „Ich baue seit 35 Jahren Gurken an, bin damit aufgewachsen, das ist ein Herzblut von mir, aber wenn es sein muss, muss man sich von Sentimentalitäten verabschieden.“

Als Hauptgründe für die sinkende Wirtschaftlichkeit nannte er den Mindestlohn und die sehr begrenzte Bereitschaft des Verbrauchers, für Lebensmittel mehr Geld zu bezahlen. Auch Wettersituationen wie in diesem Jahr, als es in kürzester Zeit von winterlichen Temperaturen noch zu Ostern sehr, sehr warm wurde, stellen die Anbauer vor Herausforderungen, weil dann ebenso schnell reagiert und gepflanzt werden muss. Das erfordert wiederum Personal, dass in so kurzer Zeit nur schwer zu verpflichten ist. Dazu komme häufig veraltete Technik. „Die Gurkenflieger haben zum Teil 20 Jahre auf dem Buckel. In so unsicheren Zeiten will keiner einen Euro in sie investieren.“ Die kürzlich versuchsweise eingesetzten Erntemaschinen hätten sich nicht bewährt.

Die Klage war ein starkes Signal an die Politik, den Mindestlohn nicht weiter zu erhöhen. Doch Frehn überlegt ernsthaft, aus dem Gurkenanbau aus- und auf andere Anbauprodukte umzusteigen. „Wer das getan hat, kommt niemals zurück.“