Es ist immer wieder ein banger Moment für Millionen Autobesitzer: Wenn der Pkw zur Hauptuntersuchung muss, entscheidet das über drohende Reparaturkosten, die weitere Zukunft mit einem liebgewonnenen Gebrauchtwagen – und vor allem über die Sicherheit beim Fahren. Seit 60 Jahren ist der regelmäßige Check durch unabhängige Sachverständige in Deutschland Pflicht. Der Anteil der Fahrzeuge mit gravierenden Mängeln ist zuletzt stetig größer geworden, wie die Technischen Überwachungsvereine (Tüv) feststellen. Die RUNDSCHAU fasst wichtigsten Fragen und Antworten der Tüv-Statistikzusammen. Wie viele Wagen fallen bei der Prüfung durch?

W enn technische Macken die Sicherheit beeinträchtigen, gibt es erst einmal keine Plakette fürs Nummernschild. Damit der Pkw wieder für zwei Jahre auf die Straßen darf, muss er erst in die Werkstatt. Jeder fünfte Wagen hat solche „erheblichen Mängel“, wie der Tüv-Verband für die Zeit von Juli 2010 bis Juni 2011 bilanzierte. Ihr Anteil stieg nun leicht auf 19,7 Prozent. Das ist zwar nur ein Plus von 0,2 Punkten im Vergleich zum Vorjahr, aber der höchste Stand seit 2000. Und mittlerweile ist die Quote der Autos mit schwerwiegenden Problemen schon das vierte Jahr in Folge gestiegen, nachdem sie 1997 noch bei 11,6 Prozent gelegen hatte .

Was sind die Gründe für den Anstieg?

„ Der Zustand eines Fahrzeugs lässt sich nicht auf eine einzige Ursache zurückführen“, sagt Klaus Brüggemann, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied beim Verband der Tüv (VdTüv). Als wichtiger Faktor gilt die Qualität, in der ein Wagen und seine Bauteile gefertigt wurden. Aber auch die Fahrweise, Parken am Straßenrand oder in der geschützten Garage und regelmäßige Inspektionen haben Auswirkungen. Beim Mangel Nummer eins – Defekten an der Beleuchtung – kann schon mehr Aufmerksamkeit helfen: ein regelmäßiger Kontrollblick vor dem Losfahren. Wie viele Kilometer ein Wagen auf dem Tacho hat, muss nicht automatisch ausschlaggebend für seine Prüfbilanz sein .

Hat die Abwrackprämie die Bilanz verbessert?

„Grundsätzlich wird der Zustand der Fahrzeuge schlechter, je älter sie sind“, sagt Brüggemann. Bei den inzwischen gut 42 Millionen Pkw hierzulande ist das Durchschnittsalter laut Kraftfahrtbundesamt seit 2002 von 7,2 auf 8,3 Jahre gestiegen. Positive Effekte der staatlichen Abwrackprämie, die 2009 viele Bundesbürger einen neuen Wagen kaufen ließ, haben die Tüv-Tester in der Statistik noch nicht bemerkt. Womöglich haben manche in der Konjunkturflaute am Unterhalt gespart, lautet ein Deutungsversuch. Auffällig war, dass nun zwischen den Prüf-Intervallen erstmals weniger gefahren wurde. Sieben Jahre alte Wagen hatten im Schnitt 92 000 Kilometer herunter – im Vorjahr waren es noch 97 000 Kilometer. Möglicher Grund: höhere Spritpreise.

Was wird überhaupt überprüft?

I n den Hauptuntersuchungen arbeiten die Experten des Marktführers Tüv oder von Konkurrenten wie Dekra mehr als 100 Prüfpunkte ab – und monieren oft auch Bremsanlagen, Achsen und Schläuche. Wie die Quote der schweren Mängel ist jetzt auch der Anteil komplett einwandfreier Fahrzeuge gestiegen. Sie machen knapp 54 Prozent aus. Nach 60 Jahren kommen auf die Sachverständigen künftig neue Aufgaben zu. Bei Pkw, die nach dem 1. April 2012 zugelassen werden, sollen die elektrischen Sicherheitssysteme über eine zentrale Schnittstelle gecheckt werden. Der Bundesrat muss das noch absegnen. Einstellen müssen sich die Prüfer auch auf die Ära der Elektro-Autos. Bisher tauchen die in der Tüv-Statistik nicht auf – es gibt noch zu wenige davon.