Eine Gruppe junger Menschen, friedlich, bunt auf ihren Rädern unterwegs, so haben sich die Teilnehmer des Lausitzcamps in diesem Jahr der Öffentlichkeit gezeigt. 90 Teilnehmer sollen es laut Veranstaltern insgesamt in diesem Jahr gewesen sein. Zu sehen waren zwischen 20 und 50 auf den verschiedenen Etappen einer Fahrradtour von Cottbus über Proschim, Schleife, Gubin und andere Orte des Protestes gegen Tagebaue in der Lausitz.

Auch am letzten Tag vor dem Kraftwerk Jänschwalde wirkt das mobile Camp eher verloren als gefährlich. Polizei und Wachschutz des Kraftwerkbetreibers sind deutlich in der Überzahl, als die Camper ihren Pavillon aufbauen, dort über die Zukunft der Kohle diskutieren und anschließend ihren symbolischen Protest für die Kameras in Szene setzen.

Kein Vergleich zum Vorjahr, als das Bündnis "Ende Gelände" den Protest in der Lausitz für ihre Ziele kaperte. 2000 Aktivisten stürmten das Kraftwerk Schwarze Pumpe und blockierten Gleise der Kohlebahn. Die gewalttätigen Bilder sorgten deutschlandweit für Schlagzeilen.

Inmitten des Ringens um die Zukunft der Lausitzer Kohle und den Verkauf durch Vattenfall war die Lausitz in den Fokus der internationalen Klima-Aktivisten gerückt. Diesmal ist das anders. Der neue Betreiber Leag hat seine Tagebaupläne präsentiert. Sie sehen deutlich bescheidener aus als frühere Konzepte. Viele von neuen Tagebauen Betroffene konnten aufatmen

Braucht es da überhaupt noch ein Klimacamp in der Lausitz? In der Vergangenheit haben die Teilnehmer, bei aller Kritik an Ausschreitungen wie im Vorjahr, einen wertvollen Beitrag geleistet. Sie konnten den wenigen Tagebaugegner, die in der Lausitz um ihre Dörfer kämpften, zeigen, dass ihr Protest nicht so einsam ist, wie er sich in einer Region, die auf die Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft der Kohle-Industrie angewiesen ist, manchmal darstellte.

Aber das hat sich doch jetzt erledigt, oder? "Nein", sagt Josephine Lauterbach, Sprecherin des Lausitzcamps 2017. "Obsolet ist unser Protest noch nicht, solange klare Entscheidungen zum Tagebau Welzow II fehlen. Unser Ziel heißt weiterhin: keine neuen Tagebaue."

Dennoch hatte das Camp in diesem Jahr etwas von einer Abschiedstour. Man hat noch einmal alle Mitstreiter im Kampf gegen die Kohle in der Region besucht und noch einmal Solidarität gezeigt. "Die Politik darf die Menschen der Region nicht länger belügen und muss sich klar zum Kohleausstieg bekennen", fordert Josephine Lauterbach. "Nur so können nachhaltige Transformationsprozesse in der Lausitz gestaltet werden."

Wie es mit dem Camp weitergeht, wieder als Fahrradtour oder wieder als festes Lager, das weiß die Sprecherin auch nicht. "Wir werden das im Organisationsteam besprechen", erklärt Josephine Lauterbach auf Nachfrage. Den Aufwand, den die Polizei in Brandenburg und Sachsen nach den Erfahrungen aus dem Vorjahr betreiben musste, rechtfertigt der Protest jedenfalls nicht. Vielleicht reicht 2018 ja ein Kurz-Camp, mit symbolischem Handschlag zwischen Kohle-Gegnern und Befürwortern, ganz im Sinne der "nachhaltigen Transformationsprozesse in der Lausitz".