Aber so muss es nicht sein. Elisabeth Pähtz jedenfalls, von ihren Freunden Elli genannt, löst das Problem auf ihre Weise.
Das Schachtalent hat sie geerbt. Vater Thomas ist letzter DDR-Meister gewesen, Elisabeth zufolge "also der amtierende". Zwar habe er immer noch mehr - im Schach als "ELO" kategorisierte - Punkte, aber: "Bei ihm geht's nach unten, und bei mir nach oben."

Training begann mit Sechs
Mit Sechs fing sie mit dem Training an, mit Neun heimste sie den ersten deutschen Meistertitel im Nachwuchsbereich ein, mit 14 den der erwachsenen Damen, mit 17 holte sie den Weltmeistertitel der Unter-18-Jährigen. Dieser Triumph im November vergangenen Jahres habe sie noch selbstbewusster gemacht als sie ohnehin schon war, bescheinigt ihr Wolfgang Uhlmann. Der 68-jährige einstige Weltklassespieler trifft sie einmal pro Woche, meistens donnerstags, für zwei bis drei Stunden. Dann hocken die beiden, die altersmäßig ein halbes Jahrhundert trennt, in seinem Arbeitszimmer, werten Partien aus, erörtern Strategien, wälzen Dutzende Schachbücher und legen zur Erholung hin und wieder ein paar Blitzschach-Partien ein - laut Uhlmann das freudbetonte Element im Schachtraining. "Aggressiv, phantasievoll, risikofreudig" sei das Spiel von Elisabeth, "von der Anlage her ähnlich wie Judit Polgar" , lobt der Dresdner. Nun ist die Ungarin nicht irgend jemand, sondern derzeit die beste Schachspielerin der Welt.
Elisabeth peilt zunächst einmal die Teilnahme an der Weltmeisterschaft an - was schwer genug wird. Einmal war sie schon dabei, vor zwei Jahren. Sie kam bis ins Achtelfinale, war damit die beste Westeuropäerin. Um wieder mitspielen zu können, muss sie bei der Europameisterschaft, die Anfang Juni im türkischen Silivri ausgetragen wird, unter die ersten zwölf kommen. Derzeit rangiere sie an Nummer 30 der Frauen-Weltrangliste. Sie sagt selbst: "Es wird nicht leicht". elf Spiele werden es sein, an 14 Tagen. Sieben bis siebeneinhalb Punkte müssten reichen. Einen Punkt hätte sie beinahe auch schon gegen Guru Garry Kasparow geholt. Der Champion habe bei einer Partie vor Jahren die eindeutig schlechtere Stellung als sie gehabt, nur leider kam sie ans Zeitlimit: "Mehr als sechs Sekunden, und ich hätte ihn abgeschossen", ärgert sie sich. Beim nächsten Mal hofft sie schneller zu sein .
"Mit 18 stellen sich für Schachspieler die Weichen - entweder in Richtung Weltklasse oder in die Bedeutungslosigkeit", sagt Uhlmann. Das Umfeld in Dresden tut jedenfalls eine Menge dafür, dass Elisabeth die richtige Kurve nimmt. Mit dem Zentrum für Mikroelektronik (ZMD) hat Elisabeth seit zwei Jahren einen finanzkräftigen Sponsor im Rücken. Das Sportgymnasium, das eine bundesweit einzigartige Schach-Ausbildung anbietet, lässt ihr ein Jahr länger Zeit für das Abitur.

Elisabeth hat die Dinge im Griff
Anders als ihre Mitschüler könnte sie von dem Geld leben, das sie momentan für ihren Sport einstreiche, sagt die gebürtige Erfurterin, die sich im Fall weiterer Titel wohl nicht um ihre Popularität sorgen müsste - erste Image fördernde Fernsehauftritte bei Harald Schmidt oder Hape Kerkeling hat sie schon hinter sich. An den meisten Wochenenden ist sie in der Schach-Welt unterwegs, spielt nach eigenen Angaben auch schon mal für Mannschaften aus Belgien und Frankreich. Ihre Turniere wählt sie danach aus, wie gut sie dotiert sind - und ob sie in den Schulferien liegen.
Und weil Elisabeth nicht auf den Mund gefallen ist und weil sie sich dann meist auch mit Jungen trifft, und nicht nur zum Rücken der Figuren, kriegt sie auch noch ganz andere Problemlagen als die auf dem Brett in den Griff. Manfred Kalmutzki jedenfalls muss sich keine Sorgen machen.