„Die Gäste sind
klassische Wieder-
kommer.“„Mich
haben
damals alle für
verrückt
erklärt.“


Auf dem Bauernhof von Ramona und Steffen Ladusch in Kreba-Neudorf (Niederschlesischer Oberlausitzkreis) herrscht Hochbetrieb. Rund 30 Mädchen und Jungen aus dem nahe gelegenen Feriencamp in Reichwalde wuseln durcheinander. Die einen backen Zuckerkuchen, andere zieht es zur Ziegenmutter mit ihrem erst eine Woche alten Nachwuchs, eine dritte Gruppe bastelt im Kaminzimmer. Und zu allem bellt Hofhund Bodo seinen Kommentar. Die Urlauber, die die beiden Ferien-Wohnungen bezogen haben, sind derweil mit Fahrrädern im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft unterwegs.
Der Bauernhof Ladusch hat Familien-Tradition seit 1925. Drei Jahre nach der Wende haben ihn Ramona und Steffen Ladusch als Wiedereinrichter übernommen, sieben Jahre lang mit der Agrargenossenschaft um die Vermögensaufteilung gekämpft. Steffen Ladusch betreibt auf 210 Hektar ökologische Landwirtschaft, hält eine 45 Tiere starke Galloway-Rinderherde. Ehefrau Ramona vermarktet das Fleisch im eigenen Hof- und Heimatladen, wo es auch leckere Marmelade, frisches Landbrot, Handgewebtes, Keramik, Trockengestecke und vieles mehr gibt. „Betrieb ist bei mir immer“ , sagt Ramona Ladusch und bleibt auch im größten Trubel beim Zuckerkuchen-Backen im Hofbackofen gelassen.
Betrieb ist auch auf dem „Konzackhof“ von Michael Schapp in Göllnitz (Elbe-Elster). 1993 fing er an, die alte Dorfschmiede als Feriendomizil auszubauen, "Mich haben damals alle für verrückt erklärt", erinnert sich Schapp. Heute sind seine Ferienwohnungen im Grünen an 290 Tagen im Jahr ausgebucht. Inzwischen hat er Gäste aus 21 Ländern beherbergt. Seine Urlauber nimmt er mit auf die Koppel oder zur Jagd, lässt sie auf Wunsch auch im Stall mithelfen.
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat Schapps „Konzackhof“ drei Sterne als Qualitätssiegel für Urlaub auf dem Land verliehen. Darauf ist er stolz. „Die Leute müssen besser wohnen als in der Stadt“ , ist sein Anspruch. Die Schar von Stammgästen, die sich im Laufe der Jahre gefunden hat, bestätigt ihn.
Wer bei der DLG, einem der führenden Qualitätsprüfer für Urlaub auf dem Bauernhof und Landurlaub, die Kataloge durchblättert, findet nur wenige Angebote aus der Lausitz und dem Elbe-Elster-Land wie die aus Kreba-Neudorf und Göllnitz. In alten Bundesländern wie Bayern und Baden-Württemberg liegt der überwiegende Teil der gut 20 000 Bauernhöfe, Landpensionen und Ferienwohnungen, die es für Urlaub in ländlicher Idylle in Deutschland gibt.
Peter Stephan, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald, sieht in der unterschiedlichen Entwicklung der Landwirtschaft den Hauptgrund dafür, dass hierzulande weit weniger Urlauber durch das Krähen des Hahnes auf dem Bauernhof geweckt werden als etwa in Bayern. Bäuerliche Familienbetriebe hätten sich dort über Jahrzehnte hinweg mit Urlaubsangeboten ein zweites wirtschaftliches Standbein geschaffen, weil allein mit der Feld- und Viehwirtschaft die wirtschaftliche Existenz nicht zu sichern war. In der DDR seien die Bauernhöfe mit der Bildung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zum großen Teil verschwunden.
Stephan ist überzeugt, dass sich im Spreewald wie auch in den anderen Regionen in Südbrandenburg und Ostsachsen der Trend zu attraktiven Ferienhäusern und -wohnungen auf dem Land mit bäuerlichen Erlebnisbereichen in den Gemeinden verstärken wird. Als Beispiel nennt er den Kräutergarten in Burg, der bei Touristen großes Interesse weckt. Nach Angaben von Stephan stehen inzwischen 2000 der 3500 Gästebetten im Spreewald in kleineren Herbergen auf dem Land.
Anke Richter, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Elbe-Elster, räumt ein, dass Urlaub auf dem Bauernhof „nicht der wichtigste Part“ bei den touristischen Aktivitäten ihres Verbandes ist. Es gebe zwar einige Bauernhöfe, die hätten sich dem Thema Urlaub allerdings „noch nicht voll geöffnet“ , so Richter. „Wir wollen den Leuten in unserer Werbung nichts versprechen, was wir nicht halten können“ , so ihre Begründung. Da es sich bei Bauernhöfen zudem oft um kleinere Übernachtungsbetriebe handele, laufe vieles über die Mundpropaganda.
Das unterstreicht auch eine Studie der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Danach hat eine Umfrage vor zwei Jahren ergeben, dass knapp 90 Prozent der Gäste durch persönliche Empfehlung auf das Angebot aufmerksam gemacht wurden. Erst dann kommen Internet, regionale Kataloge und die eigene Homepage. Als Stärken des Landtourismus erweisen sich laut Studie Landschaft und Natur sowie Wander- und Radwegenetz.
Offizielle Zahlen, wie viel Gäste in Dörfern der Lausitz und der Elbe-Elster-Region Erholung suchen, liegen nicht vor. Landurlaub wird in den öffentlichen Gästestatistiken nicht erfasst. Dort werden nur Angebote ab neun Betten registriert. Bauernhöfe liegen oft darunter. „Wir hören aber von guten Buchungszahlen bei den Anbietern“ , sagt Brigitte Hohnstädter von der brandenburgischen Marketingagentur pro agro. Besonders beliebt seien Bauernhöfe und Ferienwohnungen auf dem Land, die Freizeitangebote unterbreiten. Baden, Rudern, Radfahren oder Wandern würden besonders gewünscht. „Nur wohnen in Ferienwohnungen auf dem Dorf ohne landwirtschaftlichen Bezug wird kaum nachgefragt“ , so Hohnstädter. Nach Erkenntnissen der Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (TMB) buchen Landurlauber überwiegend direkt beim Anbieter. „Die Gäste sind klassische Wiederkommer“ , sagt TMB-Sprecherin Brigitte Freitag. Befragungen hätten ergeben, dass die Hälfte zum zweiten oder dritten Mal Urlaub auf dem Lande macht. Etwa 40 Prozent seien zwischen 36 und 50 Jahre alt. Nach Erkenntnissen in der Studie der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft bleiben sie auch etwas länger. Sie halten sich durchschnittlich 4,5 Tage und damit 1,6 Tage länger in kleineren Pensionen auf als im Beherbergungsgewerbe.
Nach Angaben von pro agro sind klassische Land- und Bauernhof-Urlauber in der Mehrzahl Familien mit Kindern. Um insgesamt mehr verlässliche Informationen zum Landurlaub zu bekommen, sollen in diesem Jahr Anbieter befragt werden. Man müsse genauer wissen, wo die Urlauber herkommen, wer sie sind, und welche Ansprüche sie haben, so Hochstädter.