Wieso ist der Ausbau der erneuerbaren Energien plötzlich ein Problem?
Weil er schneller verläuft als erwartet. Derzeit sind 25 Prozent des Stroms schon "öko". Das von der rot-grünen Regierung im Jahr 2000 verabschiedete Erneuerbare Energien-Gesetz gibt für die Einspeisung von Wind-, Solar- und Biostrom auf 20 Jahre eine Festpreisgarantie, die deutlich über den normalen Herstellungspreisen liegt. Damit sollte der Markt angereizt werden.

Zwar sind die Vergütungssätze mehrfach gesenkt worden, doch lohnt sich das Geschäft immer noch so sehr, dass wild investiert wird. Folge: Jetzt laufen die Kosten aus dem Ruder - allein für Sonnenstrom sind schon Verpflichtungen von rund 100 Milliarden Euro eingegangen worden.

Die dafür von allen Stromkunden zu zahlende Ökostromumlage, die 2004 mit 0,41 Cent je Kilowattstunde begann, beträgt derzeit 3,6 Cent und wird voraussichtlich im nächsten Jahr auf 5,4 Cent steigen.

Warum gefährdet Ökostrom die Netzstabilität?
Es fehlt an Übertragungs- und Verteilnetzen und Öko-Stromfließt unregelmäßig. Fossile Kraftwerke müssen, da er Vorrang hat, öfter abgeschaltet werden. Oder sie werden gar nicht mehr gebaut. So fehlen Reserven, wenn mal kein Wind bläst oder die Sonne nicht scheint. Altmaier will im neuen EEG auch diese Probleme regeln, etwa durch die Förderung von Speichertechnologien und Reservekraftwerken und eine regionale Komponente bei den Zuschüssen.

Wie lautet der Reformvorschlag des Ministers?
Altmaier skizzierte am Donnerstag nur Eckpunkte, weil er ein neues Gesetz nach einem intensiven Dialogprozess im Konsens mit den Bundesländern und allen Parteien suchen will. Auffällig: Der Minister vermied Kritik an den rot-grünen Erfindern des EEG. Die Probleme seien so erst durch den schnellen Zuwachs entstanden. Das Angebot des Ministers an die Opposition: Er will den Ausbau der Erneuerbaren noch forcieren und ein Ziel von 40 Prozent Ökostrom bis 2020 gesetzlich festschreiben, statt bisher 35 Prozent.

2050 sollen es 80 Prozent sein. Die Energiewende soll unumkehrbar werden. Im Gegenzug soll es aber für jede Ökostromart Mengenbegrenzungen geben, bis zu denen sie noch gefördert werden. Bei der Fotovoltaik gilt eine solche Begrenzung von 52 Gigawatt seit dem letzten Sommer schon. Wenn diese Menge erreicht ist - derzeit sind 30 Gigawatt installiert - soll die Förderung entfallen. Ähnliches soll künftig auch für Wind und Biomasse gelten. Denn Ziel sei es, die erneuerbaren Energien marktfähig zu machen, also ohne Subventionen auskommen zu lassen, sagte Altmaier.

Wie reagiert die Opposition?
Skeptisch. Heute wollen die wichtigsten grünen Umweltpolitiker aus Bund und Ländern in Berlin vor die Presse treten, doch waren erste Reaktionen am Donnerstag sehr kritisch. NRW-Umweltminister Johannes Remmel warf Altmaier vor, eine "Verhinderungsreform" zu planen, die die beschleunigte Energiewende torpedieren solle. Der grüne Energieexperte im Bundestag, Hans-Josef Fell, sprach wegen der vorgeschlagenen Mengenbegrenzung gar von "Elementen, wie sie in kommunistischen Planwirtschaften üblich sind." Für die SPD erklärte deren Fraktionsvize Ulrich Kelber zwar, dass seine Partei zu Gesprächen mit der Bundesregierung bereit sei, "aber nicht zur Fortsetzung von deren Flickschusterei". Kelber kritisierte die zahlreichen Befreiungen von der Ökostromumlage für energieintensive Betriebe. Altmaier zeigte sich in dieser Frage allerdings gesprächsbereit.

Wie groß sind die Chancen einer Reform?
Vor der Bundestagswahl gering. Denn hinter Altmaier steht noch nicht einmal die ganze Bundesregierung. In der Koalition gibt es starke Kräfte, die die Subventionierung des grünen Stroms schnellstmöglich beenden wollen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte gestern: "Wer die Strompreise langfristig in den Griff bekommen will, muss radikal ran an das Erneuerbare-Energien-Gesetz." SPD und Grüne hingegen wollen den Ökostrom eher noch stärker fördern. Altmaier dämpfte die Erwartungen an eine schnelle Lösung. Es gehe "Gründlichkeit vor Schnelligkeit", sagte er.