Zudem steht Ende des Jahres die Finanzierung der in vielen Praxen angestellten Heil- und Sozialpädagogen auf dem Prüfstand. Hintergrund sind Vertragskündigungen der Krankenkassen im Zuge der Gesundheitsreform.
In Sachsen sind etwa zehn bis 20 Prozent der Kinder im Vorschul- und Schulalter psychisch auffällig. "Viele zeigen sich aggressiv, können ihre Wut schlecht regulieren oder sind hyperaktiv", sagt der Leiter der Leipziger Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Kai von Klitzing. Auch Mobbing in der Schule spiele eine große Rolle, das Verhältnis zu Gleichaltrigen sei beinahe ebenso wichtig wie das zur Familie. "Leiden Kinder und Jugendliche an Ängsten oder Depressionen, bleibt die seelische Not dagegen oft unerkannt", so Klitzing.

Ungeklärte Finanzen
Da es in Leipzig nur fünf niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater gibt, seien Wartelisten "unglaublich lang". Oft sind die Ärzte auf Heil- und Sozialpädagogen angewiesen, die sie bei Therapie und Behandlung unterstützen. "Eine Diagnose zu stellen, braucht Zeit. Das ist nicht wie bei einer Mittelohrentzündung", sagt der Experte.
Nach Angaben des Ersatzkassenverbandes VdAK Sachsen wurde die Sozialpsychiatrie-Vereinbarung zum Einsatz von Heil- und Sozialpädagogen zum Jahresende gekündigt. Grund sei die unsichere finanzielle Situation durch die anstehende Gesundheitsreform, erklärt Holger Kuschel von der VdAK Sachsen. Zudem sei die VdAK ab nächstem Jahr für solche Verträge nicht mehr zuständig. Derzeit gebe es aber Verhandlungen vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendpsychologen, um eine Regelung zu finden. "Wenn die Krankenkassen die Kosten für die Pädagogen nicht mehr übernehmen, würde das ein Zurückfahren der Versorgung auf Null bedeuten", befürchtet Klitzing.

Fehler in Bedarfsplanung
Gründe für den Mangel seien auch Fehler in der Bedarfsplanung. Ist statistisch gesehen der Bedarf an Psychotherapeuten gedeckt, dürfen sich keine auf Kinder- und Jugenderkrankungen spezialisierten Therapeuten mehr niederlassen. Diese Regelung läuft Ende des Jahres aus. "Darauf setzen wir große Hoffnung", sagt Mrazek.