Auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft kommen in Sachsen durchschnittlich 6,5 ganztags betreute Krippenkinder sowie 13,6 Kindergartenkinder. Damit ist der Freistaat bei den Krippenkindern bundesweites Schlusslicht, bei den Kindergartenkindern liegt nur noch Mecklenburg-Vorpommern hinter den Sachsen. Das geht aus dem aktuellen "Ländermonitor frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung hervor. Nicht viel besser ist die Situation in Brandenburg.

Schon erste Verbesserungen

"Die Frage, wie es um die Qualität der Kitas steht, ist eine sehr dringende Frage", warnt die bildungspolitische Sprecherin der Brandenburger Grünen, Marie-Luise von Halem, angesichts der Zahlen. Es sei bekannt, dass weniger als zehn Prozent der Kindertagesstätten eine gute bis sehr gute Qualität böten. Zwar hat sich die Betreuung laut Studie im Vergleich zu 2012 leicht verbessert. "Bei den Kitas hat das Land Brandenburg noch keine Lorbeeren erreicht, auf denen man sich ausruhen kann", so von Halem.

In Sachsen verweist das Kultusministerium darauf, dass man ja schon etwas getan habe. "So wird im Kindergarten der Personalschlüssel ab dem 1. September 2015 von 1:13 auf 1:12,5 und ab dem 1. September 2016 von 1:12,5 auf 1:12 verbessert. Auch in Kinderkrippen wird sich der Personalschlüssel verändern - zunächst ab dem 1. September 2017 von 1:6 auf 1:5,5 und ein Jahr später auf 1:5", erklärt ein Sprecher des Ministeriums. Insgesamt sollen nach Abschluss der stufenweisen Schlüsselverbesserung im Jahr 2018 rund 2300 zusätzliche Erzieher in sächsischen Kitas tätig sein.

Ab 2016 gilt Schlüssel 1:5

Auch Brandenburg verweist auf bereits geplante Anstrengungen. Allein in diesem Jahr sollen rund 420 Erzieherstellen neu geschaffen werden, 2016 dann knapp 500. "Bildung fängt bei den Kleinsten an", sagt Bildungsminister Günter Baaske (SPD). "War die Kita früher eine Betreuungseinrichtung mit Bildungsauftrag, so ist sie inzwischen eine Bildungseinrichtung mit Betreuungsauftrag." Dafür sei ein besserer Personalschlüssel eine wichtige Voraussetzung. Zum 1. August sei der Betreuungsschlüssel in den Krippen für die Kinder bis zum dritten Lebensjahr bereits von 1:6 auf 1:5,5 Kinder aufgestockt worden. Zum 1. August 2016 solle das Verhältnis von Erzieherinnen zu Kindern auf 1:5 weiter verbessert werden.

Das reicht aber nicht. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt, dass bei den unter Dreijährigen eine Erzieherin für höchstens drei Kinder verantwortlich sein soll. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert deshalb eine bundesweite Lösung. "Kindertagesbetreuung ist eine soziale Dienstleistung, die allen Kindern in ganz Deutschland auf höchstmöglichem Qualitäts-Niveau offen stehen muss. In der wichtigen Phase der frühen Kindheit darf es nicht dem Zufall überlassen bleiben, wie eine Kita personell und finanziell ausgestattet ist", erklärt GEW-Vorstand Norbert Hocke.

Auch der bildungspolitische Sprecher der Brandenburger CDU, Gordon Hoffmann, schloss sich der Forderung nach einem bundeseinheitlichen Qualitätsstandard an: "Wir müssen das unbedingt verbessern."