„Ich laufe allein auf das Tor zu, plötzlich springt der Ball auf, dann kommt mir Stuttgarts Keeper Schäfer entgegen geflogen und ich bekomme den Ball nicht über ihn drüber“ , so beschrieb der FCE-Kapitän jene 70. Minute, in der die Partie hätte kippen können. Es war allerdings auch die einzige Situation, in der Energie den Meister in Bedrängnis brachte. Ansonsten gab Stuttgart den Ton und kam durch die Treffer von Cacau (53.), Ewerthon (78.) und Mario Gomez (82.) zum verdienten Heimsieg. „Wir haben in der ersten Halbzeit im Rahmen unserer Möglichkeiten in der Defensive gut gestanden“ , fasste FCE-Trainer Petrik Sander seine Eindrücke zusammen.
Es war eine treffende Einschätzung der Kräfteverhältnisse, denn viel mehr als eine bis zur Pause halbwegs funktionierende Defensive hatte Energie nicht zu bieten. Die von Sander für die zweite Halbzeit eingeforderte Zielstrebigkeit nach vorn blieb sein Team schuldig. Die derzeitigen Leistungen in der Fremde erinnern an die Auswärtsauftritte unter Ex-Coach Eduard Geyer: Hinten sicher stehen und vorne hilft der liebe Gott! In den vergangenen beiden Spielzeiten hieß der liebe Gott noch Sergiu Radu, aber der spielt inzwischen für Wolfsburg. Fakt ist: So attraktiv Energie zuletzt zu Hause auch gespielt hat - auswärts produziert die Mannschaft zu wenig Torgefahr.
Bei der Ursachenforschung gerät schnell das neue Spiel system in den Fokus. In den vergangenen zwei Spielzeiten legte Francis Kioyo die Bälle auf den schnellen Radu neben ihm ab. Inzwischen agiert Energie nur noch mit einer Spitze: Kioyo. Doch der Kameruner ist alles andere als ein Konterspieler. Er und Dennis Sörensen agieren zu umständlich und können deshalb nur selten für Überraschungsmomente sorgen. Bis auf den schnellen Dimitar Rangelov tun sich die Offensivkräfte im Spiel eins gegen eins schwer. Doch nach den langen Sprints aus dem Mittelfeld fehlte dem Bulgaren meistens die Kraft, um die Aktion mit einem präzisen Torschuss abzuschließen.
„Wir dürfen nicht vergessen, dass die bisherigen Auswärtsgegner Leverkusen, Dortmund und Stuttgart nicht unsere Augenhöhe sind. Deshalb ist es nichts Unnormales, dass wir nicht so viele Chancen haben wie zu Hause“ , betont Sander. „Aber die wenigen Chancen muss man natürlich auch nutzen“ , ergänzt der Coach. Nicht zuletzt mit Blick auf die 70. Minute. (Eig. Ber./noc)