Es geht um die Abschussquote des Rotwilds im Revier: Kritiker, etwa der Jagdpächter Achim Gasper, werfen der Oberförsterei vor, eine erbarmungslose Jagd auf die Tiere zu machen (die RUNDSCHAU berichtete).

"Wir haben nach wie vor einen zu hohen Rotwildbestand im Revier", sagt Oberförster Tim Ness. Der Rotwildbestand stagniere auf hohem Niveau, es könne keine Rede davon sein, dass es den Jägern nicht mehr gelänge, das Rotwild zu erlegen, weil zu wenig da sei. Während man in den 90er-Jahren im Bereich Schwenow noch etwa 50 Stück Rotwild pro Jahr erlegt habe, sei man heute bei etwa 250 Tieren. Ein Ende sei nicht absehbar. "Beim Damwild hatten wir in der Hegegemeinschaft Hammer 1992 rund 400 Abschüsse", sagt Ness. Heute habe man es geschafft, den Bestand so einzuregulieren, dass man pro Jahr etwa 100 Tiere schießt - "das ist für das Revier gesund."

Dass das Rotwild weiter intensiv bejagt werden muss, davon ist Tim Ness überzeugt. Draußen im Wald zeigt er Areale, in denen keine junge Kiefer zu finden ist. Das Wild hat ganze Arbeit geleistet: Alles ist abgefressen, und die Rinden der Bäume sind geschält.

Ganz anders die Abschnitte, die mit Wildschutzzäunen eingefriedet sind. "Zäune sind trotzdem unpraktisch", sagt Ness. "Wir haben im Bereich unserer Oberförsterei noch 228 Kilometer Zaun zu stehen, das entspricht einer Strecke von Berlin nach Rostock." Doch immer wieder sei der Zaun zerstört - weil ein Ast darauf gelandet sei oder Vandalen im Wald gewütet hätten. "Wenn das Wild dann aber erst einmal in dem umzäunten Bereich ist, bekommen sie es kaum noch heraus." Für Ness gibt es deswegen zum Abschuss und einer Steigerung der Abschussquote keine Alternative. Der Vorsitzende des Landesjagdbeirates, Dirk Wellershoff, unterstützt indes die Vorwürfe von Achim Gasper. "Es wird im Landesforst nicht mit Augenmaß gejagt, es wird drastisch über das Ziel hinausgeschossen." Dort gelte nicht mehr die Parole "Wald und Wild", sondern die Prämisse "Wald vor Wild". Statt Schonungen einzuzäunen, solle geschossen werden. "Ich halte das für einen grundlegend falschen Ansatz", sagt Wellershoff. Jagdpächter Gasper ist zudem der festen Überzeugung, dass im Jagdrevier in Hammer noch ganz andere Dinge geschehen: So seien dort auch Mitarbeiter des Potsdamer Forstministeriums im Streckenbuch, in dem die Jäger jedes erlegte Stück verzeichnen müssen, aufgeführt.

Zum Thema:
In Sachsen gibt es zehn ausgewiesene Rotwildgebiete, die Bestände werden auf rund 12 000 Tiere geschätzt. Die Jagd ist nötig zur Verjüngung des Waldes und zum naturnahen Waldumbau hin zum ursprünglichen Laub- und Mischwald. Wird nicht genug gejagt, müssen Zäune die jungen Bäume vor den Hirschen schützen. Die immer noch weitverbreitete Tradition, Rotwild im Winter extra zu füttern, bringt aus Sicht von Experten deshalb wenig. ckh