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| 16:14 Uhr

Zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse

In Brandenburg entscheiden die Schulträger über die Auftragsvergabe beim Schulessen. Entscheidendes Kriterium ist der Preis.
In Brandenburg entscheiden die Schulträger über die Auftragsvergabe beim Schulessen. Entscheidendes Kriterium ist der Preis. FOTO: dpa
Berlin. Gutes Essen in Kitas und Schulen ist immer noch keine Selbstverständlichkeit. Nach dem Willen der Bundesregierung soll sich das jetzt aber ändern. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) stellte gestern in Berlin Studienergebnisse zur Ernährung der Kinder und seine Pläne für Verbesserungen vor. Hagen Strauß

"Das Mittagessen in Kitas und Schulen muss lecker, ausgewogen und hochwertig sein", so Schmidt. Doch das ist einfacher gesagt als getan.

Wie viele Kinder werden in Kitas und Schulen versorgt?

Weil der Nachwuchs immer häufiger und immer länger außer Haus betreut wird, werden es stetig mehr. In Deutschland gibt es allein 54.000 Kitas, in denen derzeit rund zwei Millionen Kinder mittags essen. Hinzu kommen noch einmal rund 2,6 Millionen Schüler, die in Ganztagsschulen versorgt werden. Auch deren Zahl steigt.

Was steht ganz oben auf dem Speiseplan?

Klar, die Lieblingsgerichte sind Nudeln, Pizza, Pfannkuchen und Pommes - Spinat, Suppen und Fisch mögen die Wenigsten. 30 Prozent der Schüler schmeckt das Essen in ihrer Mensa nicht. Insgesamt gibt es in Schulen wie Kitas mittags zu wenig Gemüse und zu viel Fleisch. Außerdem verfügt laut Studie der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg nur ein Drittel der Einrichtungen über ein Verpflegungskonzept.

Wird in den Einrichtungen selber gekocht?

Meist nicht. Nur in 30 Prozent der Kitas kommt das Essen aus der eigenen Küche frisch auf den Tisch, meist kocht dann ein Erzieher. Ansonsten wird es morgens von einem Lieferanten (Caterer) angeliefert und dann warm gehalten. In Schulen ist das Bild ähnlich: 60 Prozent bekommen das Essen warm angeliefert. In den Schulen schwanken übrigens die Kosten für ein Mittagessen zwischen 1,50 Euro und 3,86; in den Kitas zwischen 45 Cent und fünf Euro. Der Preis allein sei aber nicht für gute Verpflegung entscheidend, so Schmidt.

Was macht gutes Schul- und Kitaessen vor allem aus?

Qualität gibt es auch für wenig Geld. Dafür hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Qualitätsstandards festgelegt. Sie umfassen unter anderem ein tägliches Angebot an Rohkost, Salat oder gegartem Gemüse, sowie ein Getränk mit mindestens 0,2 Liter. Die Experten empfehlen überdies, grundsätzlich höchstens zweimal pro Woche Fleisch zu essen. Aber auch eine angenehme Essatmosphäre oder kompetente Mitarbeiter in der Küche sind demnach wichtig.

Wie will Schmidt die Qualität des Essens verbessern?

Der Minister setzt darauf, dass die Empfehlungen der DGE mehr Berücksichtigung finden. Vor allem in Kitas. Derzeit seien diese Vorgaben weniger als der Hälfte aller Einrichtungen bekannt, so Schmidt. Seine "Qualitätsoffensive" beinhaltet daher eine große Informationskampagne, außerdem will er ein "Nationales Qualitätszentrum Schulverpflegung" einrichten, das noch im ersten Halbjahr dieses Jahres starten soll. Es soll Zulassungsverfahren für Caterer entwickeln. "Ich will, dass es eine Art TÜV für Schul- und Kita-Essen gibt und dass Siegel verteilt werden", kündigte der Minister an.