Nein, Böller sind kein Kinderspielzeug, das macht Sven Brenner, Leiter des Hauptzollamtes Frankfurt (Oder), das auch für die Lausitz zuständig ist, schnell klar. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat er Journalisten am Montag auf den Truppenübungsplatz Oberlausitz bei Weißkeißel eingeladen, um über die Gefahren der Feuerwerkskörper zu informieren.

Es sind nicht mehr die illegal in Polen hergestellten Böller mit ungewissem Inhalt, die den Zollbeamten Sorge bereiten. Seit Anfang 2017 seien Feuerwerkskörper überall in der EU geprüft, erläutert Siegmund Poloczek, Sachgebietsleiter für Kontrollen beim Zoll. Es ist vielmehr der unsachgemäße Umgang. Denn anders als in Polen, wo Feuerwerkskörper aller Klassen frei an Personen über 18 Jahre abgegeben werden dürfen, gilt dies in Deutschland nicht. Hier sind nur Böller und Raketen der Stufen eins und zwei für Laien zugänglich. Für die Stufen drei und vier sind spezielle Genehmigungen und Ausbildungen nötig, um entsprechendes Feuerwerk transportieren oder nutzen zu können.

Unsachgemäßer Transport der Böller

Doch von sachgemäßem Transport sind viele Menschen, die der Zoll in Stichproben an der Grenze kontrolliert, weit entfernt. Zoll-Leiter Brenner berichtet von Autofahrern, die rauchend erwischt wurden, während sie eine Kiste Böller neben dem Kindersitz auf der Rückbank transportierten. „Und im Kofferraum war noch ein Kanister Benzin, weil das in Polen grad so schön billig war“, fügt Brenner kopfschüttelnd hinzu. Um zu demonstrieren, was mit einer solchen Kiste passieren kann, wenn nur ein Böller in dem Karton versehentlich explodiert, braucht es einen Sprengmeister – und viel Platz. Poloczek bittet die anwesenden Journalisten in einen Bunker mit Sichtfenster. Dann drückt der Experte auf den Auslöser, der den Böller aus der Ferne zündet. Und im nächsten Augenblick explodiert der halbe Sprengplatz.

Youtube

Um die Wucht solcher Böller noch besser zu verdeutlichen, stecken die Experten einzelne Exemplare in eine Waschmaschine, in ein Metallfass oder in einen Metallschrank. Von allen drei bleiben nur noch Einzelteile. Die Tür des Schrankes schleudert siebzig Meter weit und bleibt dann völlig verbeult liegen.

Mit 18,8 Tonnen Feuerwerkskörpern hat der Zoll 2017 an der Brandenburger Grenze einen neuen Rekord sichergestellt. Für 2018 geht Sven Brenner von acht bis zehn Tonnen aus.

Höhenfeuerwerke neuer Trend

Der neueste Trend, den der Zoll beobachtet, sind Höhenfeuerwerke, die unsachgemäß gezündet werden, manchmal sogar einfach auf die Straße geworfen werden. Auch das demonstriert der Sprengmeister und bringt damit die Beobachter zum Verstummen. 100 oder 200 Gramm Sprengmittel kann eine solche Rakete enthalten. „Eine Handgranate enthält 59 Gramm“, gibt Poloczek zu bedenken.

Was passiert, wenn ein solcher Böller in der Hand explodiert, demonstriert der Zoll anhand zweier Schweinepfoten. Die Erste, mit einer 50-Gramm-Ladung in Berührung gekommen, ist fast zerteilt. Von der Zweiten, neben einer 100-Gramm-Ladung, finden sich nur noch einzelne Hautfetzen.

„Wir haben zwei Gruppen von Personen bei unseren Kontrollen“, sagt Poloczek. Die einen wissen, was sie da illegal aus Polen einführen und nehmen das Risiko einfach in Kauf. „Leider nicht nur für sich, sondern auch für andere“, beklagt Brenner.

Die andere Gruppe seien Menschen, die unbedarft Feuerwerk in Polen oder Tschechien einkaufen. Die versucht der Zoll mit seiner Demonstration zu erreichen. Denn ein Kinderspielzeug sind Böller wahrlich nicht.