Die Mädchen laufen über den Schulhof, treffen scheinbar zufällig drei Mitschüler. In der Gesamtschule wird ein Film für den Kinderkanal von ARD und ZDF (Kika) gedreht. Vier Minuten Sendezeit fordern von den Schülern der Klasse 10 c und dem Drehteam viel Geduld. „Vier Minuten, das ist schon ein richtig langer Beitrag“ , tröstet Redakteurin Jana Hess, „und ihr seid die Stars.“
Anlass des Films ist ein ungewöhnlicher Fall von Zivilcourage der Cottbuser Jugendlichen (RUNDSCHAU berichtete). Die 17-jährige Sunita aus Bosnien, deren Familie als Asylbewerber in Cottbus lebt, sollte im Winter abgeschoben werden. Die Mitschüler des beliebten Mädchens wollten das nicht zulassen.
Sie sammelten Unterschriften unter eine Petition an die Ausländerbehörde. Sie forderten, dass Sunita bis zum Abschluss der zehnten Klasse im Juli bleiben darf und sie hatten Erfolg. Im Kinderkanal soll diese Geschichte Heranwachsenden jetzt als Beispiel für Zivilcourage gezeigt werden. Titel des Films, der am 28. Mai gesendet werden soll: „Sunita gehört zu uns“ „Ich finde gut, dass das jetzt ins Fernsehen kommt“ , sagt Franziska, eine der Schülerinnen. „Das kommt alles in unsere Abschlusszeitung“ , fügt ihre Freundin mit sichtlichem Stolz hinzu.
„Dass das noch so hohe Wellen schlägt, haben wir nicht erwartet“ , wundert sich Sebastian, der die Unterschriftenaktion mit organisiert hatte. Die Filmarbeit findet er trotz zahlloser Wiederholungen jeder Szene „ganz lustig“ . Jörg, der neben ihm steht, gibt sich bescheiden. „Man ist ja nicht gleich ein Held, wenn man macht, was man für richtig hält.“ Doch dass über seine Klasse berichtet wird, findet auch er gut.
Klassenlehrerin Ellen Walter beobachtet schmunzelnd, wie ihre Schüler geduldig den Regieanweisungen folgen. In sechs Wochen werden sie ihre Zeugnisse der zehnten Klasse erhalten, dann werden sich ihre Wege trennen. Einige beginnen eine Lehre, andere wechseln auf das Oberstufenzentrum, um das Abitur abzulegen. Dass Sunita bis zum Schulabschluss bleiben durfte, werden viele von ihnen als wichtige Erfahrung mitnehmen, dass es sich lohnt, sich einzumischen.
Sunitas Familie darf vorerst bis August in Cottbus bleiben. Noch kämpft ein Rechtsanwalt für einen dauerhaften Aufenthalt der Familie in Deutschland. „Er macht uns immer wieder Mut“ , sagt Sunita. Mit einer kurzen Unterbrechung lebt sie inzwischen seit fast zehn Jahren in Deutschland.