Das Adjektiv "Klein" trägt das Fastentuch, weil es einen von der Fläche her fast viermal so großen und noch dazu deutlich älteren "Bruder" hat. Das Große Zittauer Fastentuch von 1472 ist bereits seit sechs Jahren in der Stadt ausgestellt und ein Magnet für Besucher.
Zittau bekommt mit dem Kleinen Fastentuch nun ein zweites Aushängeschild. Das Kleine Fastentuch von 1573 ist das einzige in Deutschland noch erhaltene vom Typ Arma Christi und zugleich eins von nur noch sechs Exemplaren weltweit, sagt der Leiter der Städtischen Museen, Volker Dudeck. Unter Arma Christi versteht man die Symbole für den Leidensweg Christi. Auf dem Kleinen Fastentuch sind zum Beispiel Kreuz und Dornenkrone zu sehen, in der Mitte wird die Kreuzigung Christi gezeigt. Mit Fastentüchern wurden einst Teile der Kirche wie zum Beispiel der Altar verhängt, um sie in der Fastenzeit vor den Augen der Gemeinde zu verbergen. Das diente der Buße.
Das Kleine Fastentuch war bislang nur in zeitlich begrenzten Ausstellungen zu sehen. Zuvor hatte es lange Zeit ein Schattendasein geführt. Bislang sind lediglich kleine Teile seiner Geschichte erforscht. Klar ist nur, dass es im Jahr 1573 angeschafft wurde und etwa ein Jahrhundert in der Zittauer Kirche St. Johannis benutzt wurde. Wer das Leinen bemalt hat, ist nicht bekannt. Auch nicht, wo es entstand. "Wir wissen über das Kleine Fastentuch noch weniger als über das Große", sagte der Leiter der Städtischen Museen, Volker Dudeck. Fest stehe aber: "Sein Seltenheitswert übertrifft den des Großen bei weitem." Dudeck will mit den beiden Fastentüchern mittelfristig die Schwelle von 100 000 Besuchern jährlich knacken.
Rund 700 000 Euro kostet das Ausstellungsprojekt. Das Fastentuch musste aufwändig restauriert und konserviert werden - unter anderem galt es, einen Wasserfleck zu entfernen. Fleißig gewerkelt wurde gestern auch noch im künftigen Ausstellungsraum. Die Stadt habe mit der Präsentation die Chance, "in die erste Liga des prosperierenden Kulturtourismus aufzusteigen", heißt es in einer Image-Broschüre. Etwa 30 000 Menschen jährlich schauten sich bisher das Große Fastentuch an. Oberbürgermeister Arnd Voigt (parteilos) rechnet nun mit einem "deutlichen Anstieg der Besucherzahlen".
Präsentiert wird das Kleine Zittauer Fastentuch in einem Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Anbau des ehemaligen Franziskanerklosters, das heute als Museum genutzt wird. Der Anbau musste für die Dauerausstellung umgebaut werden. Seine frühere Nutzung hat sogar einen gewissen Bezug zum Thema Fasten: Das künftige Zuhause des Kleinen Zittauer Fastentuchs wurde nämlich einst als Küche und Speiseraum des lange Zeit im Kloster untergebrachten Armenhauses genutzt.
Internet: www.zittauer-fastentuecher.de