"Da ist ein klares Wort und die Durchsetzungsfähigkeit des Landesvorsitzenden Matthias Platzeck gefragt", betonte Wieland. Die zurückhaltenden ersten Reaktionen der Landes-SPD auf das Urteil seien "erstaunlich."
Ob Zimmermann als Direktkandidat aufgestellt wird, entscheidet eine Wahlkreiskonferenz am 28. Februar. "Die Entscheidung wird im Wahlkreis getroffen", erklärt SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness. Der Landesverband wäre laut Ness erst gefordert, falls Zimmermann tatsächlich nomi-niert würde. Er gehe davon aus, dass es ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" geben wird, da der frühere Landwirtschaftsminister wegen seiner Verdienste nach 1990 in der Landbevölkerung noch sehr populär sei. Gegen ihn geht Sylvia Lehmann, die Sozialbeigeordnete von Dahme-Spreewald in den Ring. Auch Gunter Fritsch, der SPD-Landtagsfraktionschef, sieht keinen Handlungsbedarf. "Wir geben keine Zensuren". Schließlich sei das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft geblieben, Zimmermann drei Jahre das Recht zu entziehen, öffentliche Ämter zu bekleiden.
Frisch verwies auf den Fall von Otto Graf Lambsdorff, der nach einer Verurteilung auch weiter politisch Karriere gemacht habe. Der frühere FDP-Bundeswirtschaftsminister war im Zuge der Flick-Affäre wegen Steuerhinterziehung 1987 zu einer Geldstrafe von 90 000 Euro verurteilt worden.
Fritschs Vergleich löste Befremden aus. "Die SPD beruft sich auf schlechte Vorbilder", so der Grünen-Politiker Wieland. Wenn die Brandenburger SPD für einen Neuanfang bei Großprojekten nach der Stolpe-Ära eintrete, dann sollte dies auch bei "Filz und Korruption" geschehen. Es wäre unmöglich, wenn ein Politiker, der wegen Missbrauchs von Steuergeldern verurteilt wurde, wieder in den Landtag einziehe, erklärte auch CDU-Landeschef Jörg Schönbohm.
Die Zurückhaltung sei allein auf taktische Gründe zurückzuführen, hieß es dagegen aus der SPD-Landeszentrale. Es sei eine Trotzreaktion der Basis zu befürchten, wenn die Parteispitze interveniere. " Wir wollen nicht, dass er zum Märtyrer gemacht wird."
Dennoch ist man vor Ort, im SPD-Unterbezirk Dahme-Spreewald, nicht glücklich über das Schweigen aus Potsdam. "Man kann das nicht allein auf uns abwälzen", hieß es. Allerdings versucht der Kreischef und Bundestagsabgeordnete Peter Danckert - der gestern nicht zu erreichen war - dem Vernehmen nach bereits intensiv, Zimmermann zum Verzicht auf die Kandidatur zu bewegen. Falls dies nicht gelingt, falls Zimmermann auf der Wahlkreiskonferenz womöglich gar nominiert würde, schließen SPD-Kreise nicht einmal aus, dass Danckert selbst Konsequenzen zieht.
Er könne Edwin Zimmermann nur raten, "sich mit Freunden zurückzuziehen und die beabsichtigte Kandidatur noch einmal zu überdenken", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Ulrich Freese mit Blick auf die ohnehin schwierige Wahl im Herbst.

Hintergrund Das Urteil
 Das Potsdamer Landgericht hatte Edwin Zimmermann am Mittwoch zu einer elfmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich 230 000 Euro Fördergelder des Ministeriums für eine Schaubäckerei auf dem Familienhof in Schöna-Kolpin erschlichen hatte. Dabei bescheinigte das Gericht dem früheren Agrarminister und heutigen SPD-Landtagsabgeordneten "kriminelle Energie" und "Untreue zum Wohle der Familie".