Die SPD in Brandenburg zieht mit Dagmar Ziegler als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Die 56-jährige Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, die in Brandenburg auch schon Finanz- und danach Arbeitsministerin war, wurde am Samstag in Potsdam mit 106 von 111 gültigen Stimmen gewählt. Dies entspricht knapp 96 Prozent.

2013 hatte noch der frühere Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Landesliste angeführt. Er trat wegen seiner Wahl zum Bundespräsidenten nicht mehr an. Auf Platz zwei der Landesliste folgt der Spremberger Bundestagsabgeordnete Ulrich Freese (66), auf Platz drei die Büroleiterin im Potsdamer Bildungsministerium, Manja Schüle (40).

Ziegler erklärte nach ihrer Wahl: "Als SPD setzen wir uns dafür ein, Familien mit kleinen und mittleren Einkommen zu entlasten. Wir wollen, dass von der Kita bis zur Hochschule und dem Meisterabschluss alle Bildungsangebote gebührenfrei sind."

Brandenburgs Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke sprach den Delegierten angesichts der jüngsten Rückschläge für die SPD in Landtagswahlen Mut zu. "Diese Wahl ist noch längst nicht entschieden", sagte Woidke. Es gebe gute Chancen, die Bundestagswahl im September "erfolgreich zu gestalten". "Der Bundestagswahlkampf in Brandenburg beginnt mit dem heutigen Tag", rief Woidke. Zentraler Markenkern der SPD sei soziale Gerechtigkeit. "Jedes Kind muss von Anfang an gleiche Chancen haben", forderte Woidke. Es sei ungerecht, wenn ein Leiharbeiter 20 Prozent weniger Geld bekomme als ein festangestellter Kollege. Auch wenn Frauen für gleiche Arbeit bundesweit 21 Prozent weniger erhielten, sei das nicht gerecht. Auf das in Brandenburg strittige Thema Kreisreform, das die CDU zu einem großen Thema im Wahlkampf machen will, ging Woidke nicht ein. Auch in der Aussprache gab es dazu keine kritischen Stimmen.

Nach der Wahl der Landesliste sprach Woidke von einem Signal der Geschlossenheit und forderte die Delegierten auf, mit Optimismus in den Wahlkampf zu gehen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig warb als Gastrednerin für eine familienfreundlichere Politik. Die SPD müsse die Partei sein, die mit Bundesmitteln dafür sorge, dass die Kitagebühren überall abgeschafft würden. Auch sie warnte vor Resignation angesichts der Landtagswahlergebnisse unter anderem in Nordrhein-Westfalen. "Heute kann niemand sagen, wie die Bundestagswahl am 24. September ausgeht."

Die SPD in Brandenburg ist derzeit mit fünf Abgeordneten im Bundestag vertreten. Auf der jetzt verabschiedeten Landesliste kandidieren 32 Männer und Frauen, die auch alle vom Parteivorstand vorgeschlagen worden waren. Die anderen im Potsdamer Landtag vertretenen Parteien hatten ihre Landeslisten teils bereits vor Monaten aufgestellt. So wählte die CDU den Bundestagsabgeordneten Michael Stübgen auf Platz eins, die Linkspartei setzte Kirsten Tackmann auf den ersten Platz der Liste.

Die AfD nominierte Bundesvize Alexander Gauland, und für die Grünen ist Annalena Baerbock die Spitzenkandidatin.

Zum Thema:
Die Berliner Parteien beweisen derzeit Frauenpower: Bis auf die FDP gehen alle großen mit Frauen an der Spitze in die Bundestagswahl im September. Die SPD wählte am Samstag die Innenexpertin Eva Högl auf Platz eins ihrer Landesliste. Zuvor hatte die CDU bereits Monika Grütters nominiert. Die Linke wird von Petra Pau angeführt, die Grünen von Lisa Paus. Die AfD schickt Beatrix von Storch. Högl, Innenpolitikerin und Vize-Fraktionschefin im Bundestag, erhielt von den Sozialdemokraten 212 von 232 gültigen Stimmen und damit starke 91,4 Prozent.