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Zeuge: "Reichsbürger" traf mit ersten Schüssen

Nürnberg. Beim Polizeieinsatz gegen den "Reichsbürger" aus Georgensgmünd trafen laut Aussage eines beteiligten Beamten bereits die ersten Schüsse seine Kollegen. Die beiden SEK-Beamten seien von der Tür weggetaumelt, und andere Kollegen hätten das Feuer erwidert, schilderte der Polizist am Mittwoch als einer von mehreren Zeugen vor dem Landgericht in Nürnberg. dpa/pb

Ein als "Reichsbürger" geltender 49-Jähriger muss sich seit Dienstag wegen Mordes und versuchten Mordes an Beamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) verantworten.

Zunächst sei weiter geschossen worden; es habe "Splitterregen" und Dampf gegeben. Dann sei ein kurzer "Moment des Innehaltens" gefolgt, sagte der Zeuge. "Alle haben sich orientiert und geschaut, was los ist." Er habe seinen schwer verletzten Kollegen, der später gestorben ist, angesprochen und gefragt, wie es ihm gehe. Der Zeuge stockte bei seiner Schilderung mehrfach und musste tief durchatmen. Nach einer kurzen "Chaosphase" sei der Angeklagte aus der Wohnung gekommen, habe eine weiße Schutzweste und eine Unterhose oder kurze Hose getragen.

Der getroffene 32-jähriger Kollege, der später starb, sei die Treppe im Haus heruntergetaumelt. Er habe ihn nach draußen begleitet, wo dieser zusammengebrochen sei, sagte der Zeuge.

Mit Schüssen durch die geschlossene Tür hätten sie nicht gerechnet, sagten er und weitere Kollegen. "Wir wussten zwar von Waffen, die Schüsse waren aber überraschend." Die Polizisten berichteten, während des Einsatzes habe vor dem Haus ein ziviler Einsatzbus mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn gestanden. Zudem hätten sich die Beamten mit Rufen wie "Achtung Polizei" zu erkennen gegeben.

Laut Anklage schoss der 49-Jährige bei dem Routineeinsatz im Oktober 2016 elfmal auf die Beamten. Ein Polizist wurde getötet, zwei weitere verletzt. Bei dem Einsatz sollten die rund 30 Waffen des Hobby-Jägers beschlagnahmt werden, weil er bei den Behörden als nicht mehr zuverlässig galt. Aus Sicht der Verteidigung wusste der Angeklagte nicht, dass es sich um einen Polizeieinsatz handelte. Er sei von einem Überfall ausgegangen und habe aus Notwehr gehandelt.