Die Partei der Demokratischen Revolution (PRD) des Wahlverlierers Andrés Manuel López Obrador hat angekündigt, die Vereidigung zu verhindern. So wird dieser Tag gleichzeitig die erste große Zerreißprobe für den 44-jährigen Calderón.
Vor den Augen hoher Gäste aus aller Welt wollen die PRD-Abgeordneten und Senatoren den neuen Präsidenten als einen durch Wahlbetrug an die Macht gekommenen Mann bloßstellen. Denn der Linkspolitiker López Obrador hat seine Niederlage bei der Wahl vom 2. Juli dieses Jahres nie anerkannt. Vor wenigen Tagen ließ er sich deshalb vor Zehntausenden seiner Anhänger als "legitimer Präsident" vereidigen, um die "heuchlerische" Regierung der Konservativen zu kompromittieren.

Almosen von Drogenbossen
Während der Machtkampf in Mexiko-Stadt andauert, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Polizist oder ein Staatsanwalt ermordet wird. Vor allem im Norden des Landes scheint der Staat sein Gewaltmonopol verloren zu haben. Die Banden der Drogenkartelle sind inzwischen mit moderneren Waffen, Infrastruktur und mehr Geld ausgerüstet als die Polizei.
Nicht selten arbeiten Polizisten und auch Politiker mit Drogenbossen zusammen. Selbst Kirchenführer akzeptieren gelegentlich Almosen vom schmutzigen Geld. Die Korruption hat sämtliche Schichten der Gesellschaft befallen. Der amerikanische Botschafter Toni Garza kritisierte kürzlich, vor allem in einigen mexikanischen Städten an der Grenze mit den USA herrsche völlige Gesetzlosigkeit. Die meisten Gewaltverbrechen werden nie aufgeklärt.
Die Regierungszeit von Fox hatte im Dezember 2000 mit großen Hoffnungen begonnen. Zum ersten Mal war die 70 Jahre währende Herrschaft der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) unterbrochen worden. Fox wollte alles besser machen: Dem Land die Demokratie und Frieden bringen. Das ist nur zum Teil gelungen.
Es gibt auch Erfolge. Die demokratischen Institutionen wie das Parlament, die Wahlbehörden und die Gerichte haben Gewicht erhalten. Die Macht des Präsidenten, der mit seiner Partei herrschte, wurde eingeschränkt. Auch die Zentralbank wird nicht mehr aus dem Präsidentenamt gesteuert. Doch jetzt werden die Institutionen so infrage gestellt, dass der Weg in die Anarchie nicht weit zu sein scheint.
"Fox begann mit Feiern auf die Demokratie und wird mit Tränengas, regionalen Bränden, Panzern und Barrikaden verabschiedet", spottete die linke Tageszeitung "La Jornada". Anschauungsunterricht gibt es zur Genüge. Im Bundesstaat Oaxaca etwa brennen Autos und Gebäude, mehrere Menschen starben. Die Stadt ist gewissermaßen zur Geisel der Volksbewegung von Oaxaca (Appo) geworden, die den Rücktritt des Gouverneurs fordert.

Viele ungelöste Konflikte
Dutzende weiterer ungelöster Konflikte gehören zur Hinterlassenschaft der Regierung Fox. Angesichts großer sozialer Gegensätze ist die mexikanische Gesellschaft zerstritten wie nie zuvor.
Zwar ist der Peso stabil und die Börse boomt. Aber die Kluft zwischen den Reichen und wirtschaftlich Erfolgreichen auf der einen und den Armen und Unzufriedenen auf der anderen Seite ist größer geworden.
Viele Menschen sind enttäuscht von den konservativen Kräften der politischen und wirtschaftlichen Elite, die bisher die Ungerechtigkeiten nicht beseitigen konnten. Sie werfen Fox vor, die Lage stets schön geredet und die Probleme ignoriert zu haben. Calderón hat deshalb mehrfach versprochen, die Armut zu lindern und die Kriminalität zu bekämpfen. Laut einer Umfrage der Zeitung "El Universal" traut die Mehrheit der Bevölkerung auch dem neuen Präsidenten in beiden Feldern keinen Erfolg zu.