"Es sieht so aus, dass wir ein gutes Angebot bekommen und noch zehn bis 20 Jahre dort bleiben können", sagte Mehdorn zu den Verhandlungen mit den Eigentümern. Entschieden sei das aber noch nicht. Der Mietvertrag für den gläsernen Büroturm des deutsch- amerikanischen Architekten Helmut Jahn läuft bis Ende 2009. Der 26-stöckige "Bahntower" ist seit dem Jahr 2000 Sitz der Konzernzentrale. Dort arbeiten rund 900 Beschäftigte.
Sollten sich Mieter und Vermieter einig werden, dürfte der geplante Umzug der Bahn-Zentrale an den Hauptbahnhof ausfallen. Dort stehen nach wie vor die Bügelbauten im Rohbau da. Geplant ist nun offenbar, andere Betriebsteile der Bahn dorthin zu verlagern. Wann ein Innenausbau der Gebäudebügel beginnt, sei aber noch nicht abzusehen.

Maßgeschneidertes Gebäude
Für die Spitze des Bahn-Konzerns war ein würfelförmiger Neubau auf dem Washingtonplatz vorgesehen, den der Entwickler Vivico für die Bahn errichten wollte. Baubeginn sollte 2009 sein. "Wir gehen davon aus, dass sich für den Bau an diesem außergewöhnlichen Standort auch andere Mieter interessieren", sagt Vivico-Sprecher Wilhelm Brandt. Der Kubus soll eine maßgeschneiderte Immobilie werden, die demzufolge ohne Mieter nicht errichtet wird.
Ursprünglich hatte Vivico sogar darauf spekuliert, einen geplanten Büroturm auf dem Europaplatz, auf der Nordseite des Bahnhofs, an die Bahn vermieten zu können. Für diesen Fall hat die Vivico auch die Zusage der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), dass der Turm, der 100 Meter hoch werden soll, auf 150 Meter aufgestockt werden kann.
Dennoch zeigte sich die Stadtentwicklungsverwaltung von der Entwicklung überrascht. "Wir glauben aber, dass sich die neuen Stadtquartiere am Hauptbahnhof auch ohne die Konzernzentrale dynamisch entwickeln werden", sagt Sprecherin Manuela Da mi anakis.

Hauptsache in Berlin
Der Liegenschaftsfonds erwartet ebenfalls keine Nachteile für die Bebauung des Humboldthafens, der an den Hauptbahnhof grenzt. "Wohin die Konzernzentrale zieht, ist einerlei", sagt Liegenschaftsfonds-Geschäftsführer Holger Lippmann, "die Hauptsache ist, sie bleibt in Berlin." Am Humboldthafen ist auf Grundstücken, die das Land verkauft, ein Viertel mit hohem Wohnanteil und ein Museum für die Kunst des 21. Jahrhunderts geplant.
Der Bahntower am Potsdamer Platz gehört zum Sony-Center, das der Elektronikkonzern am Jahresanfang an Immobilienfonds von Morgan Stanley sowie die Investoren Corpus Sireo (Düsseldorf) und John Buck (USA) verkauft hatte. Mehdorn sagte zu den Gesprächen: "Wettbewerb ist Wettbewerb. Zwei bewerben sich, der Bessere wird gewinnen."