„Es hat uns schon überrascht, dass im Vorjahr 20 000 Besucher zur Slawenburg kamen – immerhin war es bisher eine Art Baustellen-Tourismus“, räumt Axel Müller, der Amtsdirektor von Vetschau ein.
Reste der Slawenburg waren bei archäologischen Ausgrabungen im damals noch aktiven Tagebau Seese-Ost ans Tageslicht gebracht worden. An dieser Stelle entstand direkt neben der Autobahn 15 unweit des Spreewalddreieckes ein weithin sichtbarer monumentaler Rundbau, den Besucher bereits seit gut einem Jahr in Augenschein nehmen können. Mit der jetzt fertig gestellten Dauerausstellung „Archäologie in der Niederlausitz“, die das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologische Landesmuseum konzipierten, ist das Ensemble komplett.
„In der Slawenburg Raddusch kann der Besucher eine Zeitreise durch 10 000 Jahre Niederlausitzer Kulturgeschichte von der Steinzeit bis zum Mittelalter unternehmen“, schwärmt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Spreewald, Peter Stephan. „Anregungen dafür haben wir uns auch vom polnischen Museum Biskupin bei Poznan geholt, wo die größte Slawenburg Polens steht.“ IBA-Geschäftsführer Rolf Kuhn freut sich ebenfalls: „Der Bergbau hat so viel kaputt gemacht in der Lausitz. Aber mit der Slawenburg Raddusch gibt er den Menschen und der Landschaft eine Perle zurück.“
„Als wir damals das Projekt aus der Taufe hoben, wollten wir neben der Information über die Kulturgeschichte den Spreewaldtouristen auch eine Alternative zum Kahnfahren anbieten“, erklärt Stephan. Bisher haben mehr als 20 000 Touristen den massiven Burgwall besichtigt. Wenn nun die Ausstellung hinzu kommt, rechnet der Verbandschef für das laufende Jahr mit 40 000 Gästen.
Betreiber der Anlage ist der Förderverein „Slawenburg Raddusch“, dem ebenfalls Peter Stephan vorsteht. Der Komplex entstand für fünf Millionen Euro, die vor allem aus Bundesmitteln zur Sanierung der Bergbaulandschaft stammen.
Für Axel Müller, der vor einem Jahr noch Förderver eins chef war, geht auch ein Jahr des Zweifelns vorüber. Immerhin sollte die Slawenburg ursprünglich mit der Schau starten. Doch als knapp 600 000 Euro Fördermittel durch das Potsdamer Kulturministerium nicht rechtzeitig bewilligt werden konnten, entschied man sich dennoch dazu, den Burgwall für Touristen zu öffnen. „Das war eine richtige Entscheidung. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt und das ursprüngliche Konzept verändert“, verweist der Amtschef auch darauf, dass nun der Förderverein selbst die Ausstellung betreut. Es sei personell abgesichert, dass immer ein Ansprechpartner für Touristen vor Ort ist.
Die Schau in der Slawenburg dokumentiert die Geschichte des kleinen Volkes der Slawen und die Lausitzer Kultur in der Bronze- und frühen Eisenzeit. Die Tongefäße, Keramikscherben, Bronzegüsse, Werkzeuge, Speerspitzen und anderen Stücke sind auf der 600 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche im Inneren des Burgwalls zu sehen. „Mit unserer Multimediaschau ermöglichen wir wie in einem Zeittunnel den Blick aus der Zukunft in die Vergangenheit“, sagt Museumsmitarbeiter Dirk Westendorf. Die Fundstücke aus den Grabungen werden unter anderem durch Filme und Dias ergänzt.
Als nächstes soll der 1000 Quadratmeter große Innenhof der Slawenburg ausgefüllt werden. „Hier können Veranstaltungen mit Musik, Tanz und Theater stattfinden, aber auch Begegnungen zum Beispiel mit polnischen und tschechischen Gästen“, erläutert IBA-Chef Kuhn. „Diese Treffen sollen zeigen, dass Slawen und Germanen gut zusammenleben.“
Auch der Außenbereich der Burg am Rande der ehemaligen Kohlengrube werde noch attraktiver für Touristen, kündigt Verbandschef Peter Stephan an. „Dort soll ein Kinderspielplatz mit Streichel-Zoo entstehen. Wenn die Flutung des Bischdorfer Sees in dem Restloch fertig ist, können die Besucher dann mit Schiffen von der Slawenburg ablegen und eine Runde drehen.“

Die Slawenburg im Internet:

http://www.slawenburg-raddusch.de