Offiziell will niemand den Rauswurf des Beamten bestätigen. "Über Personalangelegenheiten erteilen wir keine Auskunft", sagt Aina Gutschmidt, Sprecherin des Schutzbereichs Oberspreewald-Lausitz. Bedeckt hält sich auch die Staatsanwaltschaft Cottbus. Sprecher Horst Nothbaum will die Suspendierung weder bestätigen noch dementieren. Er sagt nur: "Jedenfalls ermitteln wir im Zusammenhang mit dem Mordfall gegen keinen Polizeibeamten."Nach RUNDSCHAU-Recherchen soll der 56-Jährige gegenüber einer jungen Frau, die im Zuge der Ermittlungen vernommen wurde, Insiderwissen preisgegeben haben. Der Revierpolizist und die Tatverdächtige, heißt es, sollen privat engen Kontakt gehabt haben.Das Dienstvergehen hat den Gang der Ermittlungen aber offenbar nicht gefährdet. Alle bisher Vernommenen, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Nothbaum, gelten nicht als dringend tatverdächtig. Die Mordkommission Cottbus verfolgte aktuell keine heiße Spur. Derzeit würden Spuren untersucht, die im März bei der Durchsuchung der Wohnungen einer 22-Jährigen und eines 29-Jährigen in Lauchhammer gefunden wurden (die RUNDSCHAU berichtete). Außerdem gingen die Beamten mehr als 100 Hinweisen nach, die nach der Veröffentlichung eines Blitzer-Fotos auf Fahndungsaufrufen eingegangen sind.Motiv bleibt rätselhaft"Das Problem bei dem Fall ist, dass kein Motiv erkennbar ist und wir deshalb in alle Richtungen ermitteln müssen", erklärt Nothbaum. Der dabei betriebene Aufwand sei beträchtlich. So wurde beispielsweise ein Vergleichsgutachten erstellt. Es sollte Aufschluss darüber geben, ob der vernommene 29-Jährige mit der auf dem Blitzer-Foto abgebildeten Person identisch ist. "Die Wahrscheinlichkeit hat sich als gering erwiesen", so Nothbaum. Der Staatsanwalt betont, dass selbst der kleinsten Spur gewissenhaft nachgegangen werde.Die Kollegen in Lauchhammer blieben weiter optimistisch, sagt die Sprecherin für den Schutzbereich Oberspreewald-Lausitz. "Für den Außenstehenden scheinen die Ermittlungen nur langsam voranzugehen. Ein Polizist weiß aber natürlich genau, warum es so lange dauert." Mit Blitzer-Fotos auf einem Fahndungsaufruf allein, sagt Aina Gutschmidt, sei es nicht getan. Um den Täter zu überführen, brauche es außerdem "Vergleichsmaterial". Und das werde mühsam und akribisch per Ausschlussverfahren zusammengetragen. Aina Gutschmidt sieht es so: "Jeder Ausschluss ist ein Erfolg."SicherheitsbedürfnisIn Lauchhammer, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Mühlpforte, verfolge man noch viereinhalb Monate nach der Tat jede Polizeiaktion äußerst gespannt. Eben weil das Tatmotiv noch unklar ist, "sind die Bürger auch ein wenig ängstlich." Die schreckliche Tat vergrößere bei den Bürgern das Sicherheitsbedürfnis, so Mühlpforte weiter. Der Vorfall zeige, dass Lauchhammer auch künftig eine Polizeiwache brauche.