Was ist unter Arbeitskosten zu verstehen?

Die Arbeitskosten sind ein zentraler Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Hauptbestandteil der Arbeitskosten sind die Bruttolöhne der Beschäftigten. Hinzu kommen die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen.

Wie hoch sind die Arbeitskosten?

Unter dem Strich mussten deutsche Arbeitgeber in der privaten Wirtschaft im Vorjahr 29,10 Euro pro geleistete Arbeitsstunde aufwenden. Das waren lediglich 0,6 Prozent mehr als 2009. Zum Vergleich: Im Durchschnitt des Euro-Raums nahmen die Arbeitskosten um 1,6 Prozent und im Mittel aller EU-Länder um 1,7 Prozent zu. Höher als in Deutschland sind die Arbeitskosten in den Niederlanden, in Luxemburg, Frankreich, Schweden, Dänemark sowie in Belgien. Dort liegen sie zwischen 30,40 Euro und 38,20 Euro.

Wie sieht es im Dienstleistungssektor aus?

Im Dienstleistungsbereich entsprechen die deutschen Arbeitskosten mit 26,70 Euro pro Stunde praktisch nur dem Durchschnitt der Euro Länder (26,50 Euro). Den höchsten Wert weist Dänemark mit knapp 39 Euro auf. In keinem anderen EU-Land ist der Unterschied zwischen den Arbeitskosten in der Industrie und im Dienstleistungssektor so groß wie in Deutschland. Er beträgt knapp 19 Prozent.

Worin liegen die Gründe für das Gefälle?

Eine Ursache für das hohe Gefälle sehen die IMK-Experten in der geringen Tarifbindung des Dienstleistungssektors. Die Folge sind Niedriglöhne auf breiter Front. Während insgesamt rund 60 Prozent der deutschen Arbeitnehmer nach einem ordentlichen Tarifvertrag bezahlt werden, sind es im Dienstleistungsgewerbe nur etwa 30 bis 35 Prozent.

Was wird in Deutschland verdient?

Der durchschnittliche Bruttolohn eines Arbeitnehmers in Deutschland lag in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bei 2373 Euro im Monat. Das sind 76 Euro mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allerdings geht die Lohnschere zwischen Gutverdienern und Niedriglöhnern immer weiter auseinander. Nach einer aktuellen Erhebung der OECD verdienten die obersten zehn Prozent der deutschen Einkommensbezieher bereits im Jahr 2008 mit durchschnittlich 57 300 Euro rund achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent auf der Einkommensskala. In den 1990er-Jahren betrug das Verhältnis noch sechs zu eins.

Welche Schlüsse lassen sich aus der IMK-Studie ziehen?

Dass die Arbeitskosten in Deutschland trotz des deutlichen Aufschwungs kaum gestiegen sind, sieht IMK-Chef Horn mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits hätten die moderaten Arbeitskosten zu einer Rekordentwicklung bei den Exporten beigetragen, anderseits aber die Balance zwischen Außenhandel und Binnenkonsum geschwächt und so „die massiven wirtschaftlichen Ungleichgewichte im Euro-Raum gefördert“. Diese gelten als wichtige Ursache der Schuldenkrise. Der Arbeitgeberverband BDA deutet die Studien-Ergebnisse naturgemäß anders: Die Daten zeigten, dass Deutschland „weiter ein teurer Arbeitsplatzstandort“ sei. So lägen die durchschnittlichen Arbeitskosten von gut 29 Euro ein Drittel über dem EU-Gesamtdurchschnit t.