Bis heute begleitet der Büchner-Preisträger die deutsche Zeitgeschichte mit wachem Blick und einem umfangreichen Oeuvre von Essays, Erzählungen und Romanen. Am heutigen Mittwoch wird Delius 70 Jahre alt.

"Ich bin sehr froh, dass ich dieses Alter erreiche. Das nehme ich nicht als selbstverständlich", sagt er. "Ich hatte mehrere heftige Krankheiten. Insofern sehe ich das sehr gelassen und denke: Jetzt kann das Abenteuer des Alters beginnen."

Ungewohnte Ehre zu Lebzeiten: Der Rowohlt Verlag hat zum Geburtstag eine Werkausgabe gestartet, die in den kommenden zwei Jahren in 18 Bänden eine Wiederbegegnung mit wichtigen Werken bringt - angefangen von den bissigen literarischen Dokumentationen der 60er-Jahre bis zu seinem jüngsten Roman "Die Frau, für die ich den Computer erfand" (2009). Zu den poetischsten Büchern gehört die autobiografische Erzählung "Bildnis der Mutter als junge Frau" (2006). In einem einzigen, fast 120 Seiten langen Satz schildert der Autor den Rom-Spaziergang einer jungen, hochschwangeren Frau, deren Mann 1943 kurzfristig an die afrikanische Front versetzt wird.

Rom ist auch die Schicksalsstadt von F.C. Delius. Hier wird er am 13. Februar 1943 als Sohn eines westfälischen Hilfspfarrers und einer Kindergärtnerin geboren. Er wächst in Hessen auf, lebt in Berlin und findet 2001 nach Rom zurück, weil seine heutige Frau dort als Leiterin der Casa di Goethe arbeitet.

Schon mit 19 veröffentlicht er erste Gedichte. Sein Entdecker und Mentor wird der Verleger Klaus Wagenbach, der den gerade promovierten Literaturwissenschaftler 1970 als Lektor an seinen legendären Kollektivverlag holt.

N ach dem Bruch mit Wagenbach gründet Delius 1973 mit sechs Freunden den Rotbuch Verlag. Er wird mit seinem Spürsinn für damals unbekannte Autoren wie Heiner Müller, Thomas Brasch, Thea Dorn, Peter-Paul Zahl und Herta Müller erfolgreich, bis er sich 1978 als Schriftsteller selbstständig macht.