Zehntausenden Ostdeutschen droht der Verlust von Rentenansprüchen. Grund dafür ist die geplante Vernichtung von Lohnunterlagen aus ehemaligen Treuhand-Betrieben ab dem Jahr 2012. Damit könnten nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd bis zu 200 000 Kontenklärungen offen bleiben. Eine Digitalisierung der gesammelten Akten würde sich aus Kostengründen nicht rechnen, hieß es zur Begründung.

Bislang werden die Unterlagen in einem Sicherheitsarchiv bei Berlin gelagert. Dabei handelt es sich um Geschäftsunterlagen derjenigen ehemaligen DDR-Betriebe, die von der Treuhand abgewickelt worden sind. Ein Drittel der Akten sind Lohnunterlagen. Wer also nicht mehr wusste oder nachweisen konnte, wie hoch seine Bezüge in der damaligen DDR waren, konnte auf diese in unzähligen Aktenordnern archivierten Unterlagen zurückgreifen.

Betroffen sind die Geburtsjahrgänge 1946 bis 1974. Nur noch bis Ende des Jahres sind Rechtsnachfolger von DDR-Betrieben verpflichtet, alte Lohnunterlagen aus DDR-Zeiten aufzubewahren. Wenn die Vernichtungsfrist wie bislang vorgeschrieben eingehalten wird, können Betroffene ab kommendem Jahr nicht mehr auf Lohnnachweise aus den Jahren vor 1992 zurückgreifen. Es drohen Lücken in der Versicherungsbiografie.

Experten weisen darauf hin, dass auch gut 20 Jahre nach der deutschen Einheit noch immer mehrere Tausend Anfragen pro Monat zur Rentenkontenklärung eingehen. Insgesamt seien 270 000 Versicherungskonten „noch nicht geklärt“, heißt es. Das entspricht rund zwölf Prozent der 2,3 Millionen geführten Versicherungskonten der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ohne eine Klärung aber drohen niedrigere Rentenzahlungen.

Das Arbeitsministerium weist in einem offiziellen Schreiben darauf hin, dass „alle Jahrgänge mit Wohnsitz oder Zeiten im Beitrittsgebiet“ zwischen den Jahren 2005 und 2007 zu einer individuellen Kontenklärung aufgerufen wurden. Doch sei nicht jedes Verfahren der älteren Jahrgänge „mangels Mitwirkung der Versicherten“ erfolgreich abgeschlossen worden. Handlungsbedarf werde nicht gesehen, da der Fristablauf lange genug bekannt gewesen sei.

Sollte sich der Nachweis von Versicherungszeiten nach Auslaufen der gesetzlich festgelegten Aufbewahrungsfrist „im Einzelfall“ problematisch gestalten, gibt es nach Angaben des Ministeriums auch für die vor dem Jahr 1992 im Gebiet der neuen Bundesländer zurückgelegten Versicherungszeiten das Mittel der Glaubhaftmachung.

Für Kritiker der geplanten „Aktenvernichtung“ ist das kein Trostpflaster: Solche Glaubhaftmachungen werden wertmäßig um ein Sechstel gemindert, argumentieren sie. Und so manche hätten für die eidesstattliche Versicherung keine hinreichenden Angaben mehr machen können.