Tausende Demonstranten versammelten sich in der Hauptstadt Beirut und forderten auf Plakaten den Rückzug der pro-syrischen Politiker. Nach einer Messe in der maronitischen Saint-Georges-Kirche sollte Gemayel in seiner Heimatstadt beigesetzt werden. Die UN wollen dem Libanon bei der Aufklärung des Mordes helfen.
Der in eine libanesische Fahne gehüllte Sarg wurde in einem Leichenwagen nach Beirut transportiert, wo die Armee die Trauerfeierlichkeiten absicherte. Die Demonstranten trugen auch Porträt-Fotos des 2005 ermordeten Ex-Regierungschefs Rafik Hariri und des 1982 ermordeten Präsidenten Beschir Gemayel, eines Onkels von Pierre Gemayel. Die anti-syrische Fraktion des politisch gespaltenen Landes hatte zu einem zahlreichen Erscheinen aufgerufen, um die Trauerfeier zu einem Akt der Unterstützung für die westlich orientierte Regierung zu machen. "Wir akzeptieren keine Waffen außer für die Armee", skandierten anti-syrische Demonstranten in Anspielung auf die von Syrien unterstützte Schiiten-Miliz Hisbollah, die sich einer Entwaffnung verweigert.
Der libanesische Journalist und christliche Abgeordnete Ghassan Tueni forderte einen Rückzug des pro-syrischen Präsidenten Emile Lahoud. Statt die Verfassung zu bewahren, sei Lahoud zu einem "Feind und Zerstörer" der Verfassung geworden, sagte Tueni dem britischen Fernsehsender BBC. Tuenis Sohn, ebenfalls ein anti-syrischer Abgeordneter, war im vergangenen Dezember bei einem Bombenanschlag in Beirut getötet worden. Papst Benedikt XVI. verurteilte das "unsägliche" Attentat auf Gemayel. An den Trauerfeierlichkeiten nahmen unter anderem der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, und der französische Außenminister, Philippe Douste-Blazy, teil.
Gemayel war der sechste prominente anti-syrische Politiker oder Journalist, der innerhalb von zwei Jahren einem Anschlag zum Opfer fiel.
(AFP/uf)