Durch die Räumung israelischer Siedlungen auf Palästinensergebiet und den Abzug aus dem Gazastreifen ist Ministerpräsident Ariel Scharon zur neuen Hassfigur der extrem Rechten in Israel geworden.
Ironischerweise war es Scharon, der vor dem Mord an Rabin 1995 auf dem Zion-Platz in Jerusalem an der Demons tration teilnahm, auf der Schilder hochgehalten wurden, die Rabin in SS-Uniform zeigten. Scharon wurde später vorgeworfen, zu dem politischen Klima für den Mord beigetragen zu haben. Heute wird Rabins damaliger Gegner selbst von rechten Fanatikern mit einem Palästinenser-Tuch porträtiert, es häufen sich die Warnungen vor einem weiteren politischen Mord. Rabins Tochter Dalia bemängelt, Israel habe nichts aus dem Mord an ihrem Vater gelernt. Für sie sei die "zentrale Lehre, dass die größte Bedrohung für unser geliebtes Land nicht von außen, sondern von innen kommt". Sie äußerte zuletzt sogar Sorge über Scharons Sicherheit.
Der zu lebenslanger Haft verurteilte jüdische Fanatiker Jigal Amir, der Rabin nach einer Friedensdemonstration in Tel Aviv mit drei Kugeln tötete, hat inzwischen "per Telefon" geheiratet und fordert die Erlaubnis, Kinder zeugen zu dürfen. Bislang lehnte die Gefängnisbehörde diesen Antrag des Häftlings, der nie Reue geäußert hat, strikt ab.

Viele Ehrungen für Rabin
Zum heutigen zehnten Jahrestag der Ermordung Rabins plant Israel ein aufwändiges Gedenkprogramm. Die zentrale Kundgebung auf dem Rabin-Platz soll aber erst am 12. November in Tel Aviv im Beisein des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton stattfinden. Zwei Tage später werden Staatschefs aus aller Welt bei der Gedenkfeier an Rabins Grab auf dem Herzl-Berg in Jerusalem erwartet. Danach ist die Einweihung des neuen Rabin-Zentrums für Toleranz und Demokratie in Tel Aviv geplant. Das Gebäude mit drei Lehrsälen und einem computerisierten Archiv soll das politische Erbe Rabins verewigen.
Sein Traum von einer dauerhaften Friedenslösung in Nahost, der 1995 in greifbarer Nähe schien, ist ein Jahrzehnt später trotz des israelischen Gaza-Abzugs in weite Ferne gerückt. Sein damaliger Partner, der 1994 aus dem Exil nach Gaza zurückgekehrte Palästinenserführer Jassir Arafat, starb im vergangenen November in Paris. Spätestens seit dem Ausbruch des Palästinenseraufstands Intifada war der Präsident, der sich einen Friedensnobelpreis mit Rabin und dem heutigen Vize-Ministerpräsidenten Schimon Peres teilte, allerdings in den Augen Israels wieder zum verhassten "Erz-Terroristen" geworden.

Weiter Schikane und Anschläge
Die Misere und die Schikanen in den Palästinensergebieten dauern an und auch die palästinensischen Selbstmordanschläge in Israel, die schon vor dem Mord an Rabin am 4. No vem ber 1995 den Traum vom "neuen Nahen Osten" trübten, gehören ein Jahrzehnt später weiter zum traurigen Alltag in der Region.