Der Mann aus Alt Daber bei Wittstock wurde durch Schreie aus dem Schlaf gerissen, schaute aus dem Fenster und wurde so zum Zeugen der brutalen Tötung eines 24-jährigen Russlanddeutschen - mit einem fast 18 Kilogramm schweren Feldstein.
Gestern Vormittag verhängte das Landgericht Neuruppin hohe Freiheitsstrafen gegen die Hauptbeteiligten der grässlichen Tat. "Herr Backhaus sah den Steine werfer, seine Beschreibung passte letztlich nur auf einen - den 23-jährigen Haupttäter", sagte Richterin Gisela Thaeren-Daig in der Urteilsbegründung. Dieser muss jetzt wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung für zehn Jahre hinter Gitter.
Seine beiden Hauptkomplizen im Alter von 22 und 21 Jahren sollen sieben und sechs Jahre Haft wegen Totschlags beziehungsweise gefährlicher Körperverletzung verbüßen; ein 20-Jähriger kam wegen seines damaligen Vollrausches mit zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe davon, ein Fünfter wegen geringfügiger Tatbeteiligung mit einem Jahr Haft auf Bewährung.
Der gesamte Prozess, der seit Januar vor dem Landgericht Neuruppin lief, glich einem riesigen Puzzle. "Eine Gruppe Einheimischer ging aus nichtigem Anlass auf Aussiedler los - aber keiner will etwas gesehen haben", beschrieb es die Richterin. Der Angriff der Übermacht "aus Imponiergehabe und Hemmungslosigkeit nach Alkohol und Drogen" begann mit Schlägen und Tritten und gipfelte darin, dass ein 17,7 Kilogramm schwerer Feldstein auf beide Opfer geworfen wurde. Obwohl viele Disco-Besucher vor dem Lokal stehen, greift keiner ein.
Schon kurz nach dem Vorfall sei den Schlägern offenbar klar geworden, was sie getan haben, vermutet Thaeren-Daig. So kommen vor Gericht heimliche Absprachen ans Licht. Und obwohl es ein Großteil der 50 Zeugen nicht so genau mit der Wahrheit zu nehmen scheint, wendet sich das Blatt.
Denn kurz vor dem Ende des Prozesses bezichtigt der bisherige Hauptverdächtige - ein 21-jähriger Maurerlehrling - seinen 23-jährigen Freund als den Steinewerfer. "Das hast Du mir doch erzählt", sagt er ihm im Gerichtssaal auf den Kopf zu.