Die Drahtzieher des Verbrechens lebten "außerhalb Russlands" und hätten die "Destabilisierung der Landes" zum Ziel gehabt, erklärte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika vor Journalisten. Sie stünden vermutlich hinter einer Mordserie. "Wir sind deutlich vorangekommen mit unserer Untersuchung zum Mord an der Journalistin Politkowskaja", sagte Tschaika. Politkowskaja hatte über Korruption in Russland sowie über Menschenrechtsverstöße in Tschetschenien berichtet.
„Hinsichtlich der Mordmotive haben unsere Untersuchungsergebnisse uns zu der Überzeugung gebracht, dass die Menschen, die ein Interesse daran hatten, Politkowskaja zu töten, nur außerhalb von Russland leben können“ , sagte Tschaika. Der Mord habe "vor allem Menschen und Strukturen genützt, die darauf abzielten, das Land zu destabilisieren und die rechtsstaatliche Ordnung in Russland zu untergraben". Diese Menschen hätten Interesse an einer Rückkehr zum alten, kommunistischen System oder seien durch Geld und "Oligarchen" gesteuert worden. Damit spielte Tschaika offenbar auf den russischen Milliardär und Kremlkritiker Boris Beresowski an, der heute im britischen Exil lebt.
Tschaika sagte weiter, die Festgenommenen hätten vermutlich eine Reihe von Morden zu verantworten. So könnten sie hinter der Ermordung des Journalisten Paul Klebnikov, der die US-Staatsbürgerschaft hatte, im Jahr 2004 sowie an der Erschießung des Vizechefs der russischen Zentralbank, Andrej Koslow, im September vorigen Jahres stecken.
Zuvor hatte Tschaika nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin angekündigt, die zehn Verdächtigen sollten in "sehr naher Zukunft" wegen des Verbrechens angeklagt werden.
Im Mai hatte Politkowskajas früherer Herausgeber, Dmitri Muratow, erklärt, er sei "zunehmend besorgt", dass die Untersuchungen von politischen Motiven getrieben seien. Die Wochenzeitung "Nowaja Gaseta", für die Politkowskaja arbeitete, stellt eigene Ermittlungen zu dem Mordfall an. Die plötzliche Aufklärung im Mordfall Politkowskaja kam den Hörern des russischen Radiosenders "Echo Moskwy" merkwürdig vor. In einer Blitzumfrage bezweifelten 83,5 Prozent der Anrufer die Version der Justiz.
Anna Politkowskaja, die in mehreren Büchern den russischen Präsidenten offen kritisiert hatte, war am 7. Oktober 2006 in ihrem Haus in Moskau erschossen worden. Frühere Kollegen vermuteten, dass der Mord an der Journalistin im Zusammenhang mit ihren Recherchen über Folter der russischen Behörden in der Kaukasusrepublik Tschetschenien stand.
Der Mord an Politkowskaja hatte internationale Aufmerksamkeit auf die gefährliche Situation für Journalisten in Russland gelenkt. Nach Angaben des internationalen Journalistenverbandes wurden in Russland seit 1993 mehr als 80 Journalisten ermordet. Andere Quellen sprechen von mehr als 40 Todesopfern.
(AFP/cd)