I Wladimir Putin hat nichts dem Zufall überlassen. Um dunkle Wolken über Sankt Petersburg zu vertreiben, ließ der Kreml-Chef sogar Spezialflugzeuge ausschwärmen und Chemikalien in die Luft spritzen. Eitel Sonnenschein ist der wichtigste Programmpunkt, wenn Putin in der einstigen Zarenresidenz Hof hält und sich im Glanz des hohen Besuchs von mehr als 40 Staats- und Regierungschefs der Weltöffentlichkeit zeigt.

Diplomatischer Erfolg
Den 300. Geburtstag seiner Heimatstadt an der Newa nutzte er zu einem diplomatischen Erfolg der Extraklasse. Dass weder das Verhältnis zu den USA noch zur EU so ungetrübt ist wie der Himmel über Sankt Petersburg, soll dabei hinten anstehen. Dabei war Putins Diplomatie nach Ansicht zahlreicher Beobachter zuletzt nicht sehr effizient. Dass er die USA in Afghanistan gewähren ließ, habe Russland im Gegenzug wirtschaftlich kaum genutzt, sagt Viktor Kremenjuk vom USA-Kanada-Institut in Moskau. Und dass er mit Frankreich und Deutschland gegen den Irak-Krieg opponierte, habe ihm diplomatisch nichts gebracht.

Thema Tschetschenien tabu
Aber es gelang dem als kühl und pragmatisch geltenden Kreml-Chef, es sich mit den USA nicht zu verscherzen. Anders als gegenüber Deutschland oder Frankreich zeigt sich US-Präsident George W. Bush verständnisvoller, die Beziehungen zu Moskau sollen in einem Vier-Augen-Gespräch morgen nach Angaben von US-Diplomaten wieder "auf die Spur" gebracht werden - es geht um Russlands enge Verbindungen zu den von Washington geächteten "Schurkenstaaten" Iran und Syrien. Ein besonders dunkles Kapitel von Putins Außenpolitik soll in Sankt Petersburg hingegen gar nicht zur Sprache kommen: Moskau hat es sich verbeten, den Tschetschenienkrieg zu erwähnen. Das hatten seine EU-Partner zuletzt ohnehin immer seltener getan und nicht widersprochen, wenn Putin die Terrorbekämpfung und das Vorgehen seiner Armee gegen tschetschenische Rebellen gleichsetzte. "Notfalls knallen wir sie im Pissoir a b", lautete der Spruch, mit dem der ehemalige KGB-Spion Putin seinem Hass freien Lauf ließ. Aber Millionen Russen sehen in diesen Tagen am Bildschirm, wie ihr Staatschef zusammen mit den anderen Großen der Welt feiert und Hände schüttelt - und dabei eine deutlich bessere Figur macht, als sein unberechenbarer Vorgänger Boris Jelzin. Sie rechnen dem kleinen, manchmal fast schüchtern wirkenden Mann mit dem schütteren Haar auch an, dass er Russland in den drei Jahren seiner Präsidentschaft politisch und wirtschaftlich zu einer gewissen Stabilität verholfen hat.
In Sankt Petersburg wuchs Putin als Spross einer Arbeiterfamilie auf, dort schaffte der gelernte Jurist nach seiner Zeit als Geheimagent in der DDR und dem Zusammenbruch der Sowjetunion die entscheidenden Karriere-Schritte auf dem Weg in den Kreml. Skandale um angebliche Verbindungen zur gefürchteten Sankt Petersburger Mafia oder um massive Eingriffe des Kreml in kritische Fernsehberichterstattung scheinen dem 50-jährigen Staatschef nichts anhaben zu können. Knapp ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl gilt es als sicher, dass ihn seine Landsleute im Amt bestätigen.