Er hatte materiell einst alles: Haus, Autos, ein eigenes Zahntechniklabor. Ja selbst geistig war er reich, begann als 40-Jähriger noch einmal mit einem Zahnmedizin-Studium.Das Hamsterrad, in dem er lief, begann sich immer schneller zu drehen. Schließlich ging seine Ehe in die Brüche. Uwe Hempel wurde krank, sein exklusives Dresdner Labor stand vor der Pleite. Er musste Insolvenz anmelden und sein Studium abbrechen. "Ich fiel von oben nach ganz unten", gibt er zu. Endstation Hartz IV. Heute lebt er in einer Leipziger Wohngemeinschaft, fährt mit dem Fahrrad von A nach B, das Handy ist abgeschaltet. "Ich habe alles verloren und fühle mich doch besser als früher", beschreibt er seinen gesunden Ist-Zustand. Den scheinbaren Widerspruch löst er gleich selbst auf: "Ich habe wieder eine Vision, für die ich lebe und an die ich glaube: die Manufaktur für sozialen und ganzheitlichen Zahnersatz." Hinter dem langen Namen verbirgt sich eine einfache Mission: "Ich möchte allen helfen, die sich keinen Zahnarzt und keinen Zahnersatz leisten können. Aus welchen Gründen auch immer", betont Uwe Hempel. Er weiß, dass sich viele Menschen in der sozialen Abwärtsspirale nach unten schämen, zum Zahnarzt zu gehen, nicht versichert sind oder Dauerzahnschmerzen einfach aushalten. "Sie trauen sich nicht einmal mehr, den Mund aufzumachen", erzählt Uwe Hempel. Mit seinen 30 Jahren Zahnmedizin-Wissen im Kopf verließ er Dresden. "Für meine Idee fand ich dort kaum offene Ohren, weil man in den Ämtern meinte, dass es in der sächsischen Hauptstadt keine Armut gibt", schüttelt er noch heute darüber den Kopf.In Leipzig dagegen konnte er sich mit seinem Vorhaben durchbeißen. Er erhielt von der Arbeitsagentur einen Mikrokredit, fand preiswerte Laborräume und Zahnärzte, die nun stundenweise bei ihm ehrenamtlich Bedürftige behandeln. In der liebevoll gestalteten Manufaktur haben sie einen ersten vertrauensvollen Anlaufpunkt. Uwe Hempel analysiert den Zahnstatus, vermittelt Zahnarztbehandlungen, spricht mit Sozialämtern und Krankenkassen, fertigt selbst preiswerten, aber ordentlichen Zahnersatz. "Wenn sich meine Patienten mit einem breiten Lächeln verabschieden, habe ich ein verdammt gutes Gefühl", meint er freudestrahlend.