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Zahl rechter Gewalttaten wächst

Potsdam/Cottbus. Die Zahl rechtsextremer Gewalttaten im Land Brandenburg wächst weiter: Darauf weist die Opferperspektive in ihrem aktuellen Bericht hin, den die Mitarbeiter am Donnerstag in Potsdam vorgestellt haben. Der Verein, der Betroffene solcher Angriffe berät, zählte für das Jahr 2016 in Brandenburg 221 rechte Angriffe, 18 mehr als im Vorjahr. René Wappler

Als Schwerpunkte gälten Cottbus, der Spree-Neiße-Kreis und Frankfurt (Oder). Die Täter schreckten auch vor Gewalt gegen Kinder nicht zurück - wie im März 2016, als Rechtsextreme in Guben eine syrische Familie mit Flaschen bewarfen. Grundsätzlich sei eine stärkere Aggressivität der Täter zu beobachten: Rassistischer Hass habe "die Vernichtung von Menschenleben zum Ziel", was sich auch an mindestens sechs Brandanschlägen gegen bewohnte Unterkünfte zeige. Als gravierendes Problem bezeichnen die Mitarbeiter der Opferperspektive die "erhebliche Dauer" der Gerichtsverfahren im Land Brandenburg. Von der Tat bis zur Verhandlung vor dem Amtsgericht verstreichen demnach in der Regel anderthalb Jahre, in Cottbus sogar zwei Jahre.

Ähnlich äußerte sich in dieser Woche der stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes deutscher Kriminalbeamter, Peter Kaiser: "Wir haben Gewaltdelikte, die bereits fünf Jahre zurückliegen, und bei denen es noch immer nicht zu einem Urteilsspruch gekommen ist."

So bezieht sich die Opferperspektive auf den Fall eines Mannes aus der rechten Szene in Spremberg, gegen den das Cottbuser Landgericht in Kürze wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Unterschlagung verhandeln wird: Die am längsten zurückliegende Tat aus diesem Prozess ereignete sich im April 2012.