"Seit Einführung der Pflegeversicherung werden aber mehr Menschen zu Hause betreut", sagte Rainer Wehland, beim Diakonischen Werk Brandenburg Referent für die ambulante Pflege. Die Pflege daheim ist die häufigste Variante und auch die kostengünstigere Alternative zum Heimaufenthalt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen legt die Pflegestufe fest.
In Brandenburg nahm die Zahl der Pflegebedürftigen allein von 1999 bis 2005 von 64 340 auf 74 600 zu - Tendenz steigend. Grund sind der demographische Wandel und der medizinische Fortschritt. Immer mehr Menschen werden immer älter. In Brandenburg gibt es etwa 540 ambulante Pflegedienste.
Die 1995 eingeführte Pflegeversicherung macht die Betreuung zu Hause einfacher - vor allem, wenn es sich um leichtere Fälle handelt. Die Pflege zu Hause haben in den meisten Fällen Familienangehörige übernommen. "In vielen Fällen holen diese sich die Hilfe von ambulanten Pflegediensten ins Haus", sagte Wehland. Fast zwei Drittel der Pflegebedürftigen sind älter als 75 Jahre, knapp ein Drittel ist hochbetagt. Bundesweit werden nach Angaben des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe rund eine Million Menschen zu Hause versorgt.
Durch die Pflegeversicherung können die alten Menschen heute länger zu Hause bleiben als früher. Wenn sie ins Heim kommen, sind sie aber in einem gesundheitlich schlechteren Zustand. "Wer Anfang der 1990er-Jahre in eine stationäre Einrichtung kam, war meist knapp unter 70 Jahre alt", sagte der Geschäftsführer der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen, Friedhelm Fürst. "Heute sind die Menschen meist Mitte 80." Einstellen müssen sich die Helfer - ob ambulant oder stationär - zunehmend auf Altersverwirrung und Demenz. Da die Menschen älter werden, nehmen diese Krankheiten zu. "Da werden oft auch die eigenen Angehörigen nicht mehr erkannt", schilderte Gabriele Schlimper vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin.
"Die Pflege von Familienangehörigen ist eine große Last, die meist an den Frauen hängen bleibt, die zudem noch anderes zu tun haben", sagte der Fachreferent für Altenpflege bei der Caritas in Berlin, Hans-Joachim Wasel. "Pflege ist ein Knochenjob", beschreibt Schlimper die Belastung für Angehörige wie für professionelle Helfer.
Im Unterschied zu anderen östlichen Bundesländern bieten sich in Brandenburg auch Polinnen und Tschechinnen für eine Rund-um-Betreuung zu Hause an. Für etwa 800 Euro im Monat kümmern sie sich hauptsächlich um den Haushalt - arbeitsrechtlich ein Problem. "Dieser Bereich ist grau, sehr grau", sagte Wehland.