"Die geben Aufschluss darüber, wie ein Volk durch die kalte Jahreszeit gekommen ist", erklärt der Leipziger. So wie er halten wieder mehr Deutsche die kleinen Nutzinsekten - nachdem in 15 Jahren die Zahl der Imker stetig zurückgegangen war. 2009 sind die Imkervereine zum zweiten Mal in Folge gewachsen - wie auch in ganz Deutschland. 16 NeuankömmlingeMichael Hardts Verein hat mit 16 Neuankömmlingen insgesamt 118 Bienenzüchter, und der sächsische Landesverband verzeichnet mit seinen 86 Neuaufnahmen vom vergangenen Jahr derzeit 2994 Mitglieder. Insgesamt imkern mehr als 81 000 Deutsche, gut 800 mehr als 2008. "Wir spüren ein großes Interesse an der Bienenhaltung", sagt Petra Friedrich vom Deutschen Imkerbund e. V. Einer der Hauptgründe sei, dass bei vielen das Bewusstsein für den hohen Nutzen gewachsen sei, den die Biene für Natur und Pflanzenwelt habe. Zum anderen bemühen sich die Vereine stärker um Nachwuchs: Sie organisierten Anfängerkurse oder machten, wie der Imkerverein im bayerischen Dietmannsried, das Angebot für ein "Bienenleasing" - für ein Jahr halten Interessierte ein Volk und lernen gleichzeitig von erfahrenen Bienenzüchtern. Beim Begriff Imkernachwuchs muss Roland Wicht etwas schmunzeln. "In Sachsen sind das meist Leute um die 50 oder älter", erklärt der Chef des Landesimkervereins. Die Zucht des Nutzinsekts ist eine Beschäftigung vor allem für die, die sesshaft geworden und beruflich etabliert sind. "Oder es sind Menschen, die keine Arbeit mehr haben und ein sinnvolles Hobby suchen, mit Honig als gutem Nebenprodukt", sagt Wicht. In Michael Hardts Leipziger Verein sind auch einige zwischen 20 und 30 neu dabei: "Seitdem wir im Internet unsere Seite haben, erreichen uns wesentlich mehr Anfragen." Den steigenden Mitgliederzahlen steht jedoch eine bundesweit sinkende Zahl an Bienenvölkern gegenüber. Ein Grund dafür: Viele ältere Bienenzüchter - das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren - reduzieren aus Altersgründen die Völkerzahl. Und Neueinsteiger halten oft nur wenige Völker - "die meisten fangen mit fünf an", erklärt Roland Wicht. Ebenso haben Krankheiten den Bienenbeständen in den vergangenen Jahren zugesetzt. Blütenmix eintönigerZudem ist auch der Blütenmix eintöniger geworden, den die Bienen auf ihrer Nahrungssuche in der Natur vorfinden. Immer häufiger werden ganze Landstriche mit vorwiegend einer Kulturpflanze bepflanzt: In Sachsen etwa wuchs die Winterrapsfläche von 76 200 Hektar im Jahr 1995 auf 133 00 Hektar im vergangenen Jahr. Sind diese Anbauflächen abgeblüht, finden die Fluginsekten nur noch wenige andere Pflanzen, die Nektar und Pollen spenden. "Das kann bedeuten, dass die Biene ab Juni hungert", erklärt Michael Hardt. So geschwächt, kommen viele Völker nicht durch den Winter.