Den Republikanern wird vorgeworfen, mit ihrer kompromisslosen Haltung die Lahmlegung der Regierung herbeigeführt zu haben. Was treibt diese Partei?
Einzelne hören sehr genau auf ihre Basis zu Hause. Die Jungs fühlen sich in diesen Wahlbezirken sicher, und sie haben eine Menge Geld aus privater Hand. Das macht sie unabhängiger vom Sprecher. Sie müssen keinen Kompromiss schließen, weil sie auf die Leute zu Hause hören, die sagen: Macht weiter, bleibt hart. Deshalb fällt es Sprecher John Boehner (Mehrheitsführer der Republikaner im Abgeordnetenhaus, d. Red.) so schwer, eine gemeinsame Basis zwischen diesen sehr verschiedenen Bruchteilen zu finden.

Aber auch in den Wahlbezirken wird es Diskussionen geben?
Es gibt deutlich weniger überparteilichen Wettbewerb in den verschiedenen Bezirken als noch vor 20, 30 Jahren. Dort herrscht eine sehr homogene politische Atmosphäre. Die 435 Mitglieder des Abgeordnetenhauses blicken zuallererst in ihre Bezirke statt zur Partei. Sie wollen sichergehen, dass ihre Jobs bestätigt werden, wenn sie sich alle zwei Jahre zur Wahl stellen. Und sie wollen nicht, dass jemand in ihren Bezirk kommt und sagt, er sei nicht konservativ oder nicht liberal genug.

Wäre der Streit in dieser Form auch in Deutschland denkbar?
Es ist kaum vorstellbar, dass dieses Problem in einem parlamentarischen System wie in Deutschland auftauchen würde. In Berlin wird ein Kampf um die Mehrheit so lange eingerastet, wie diese Mehrheit hält. In der Parteidisziplin, die Deutsche gewohnt sind, neigen die Menschen dazu, ihren Anführern zu folgen.

Wird der Etatstreit den USA zum Verhängnis?
Dies ist nicht das Ende der Welt, wie es in deutschen und europä ischen Medien oft dargestellt wird. Wir sind ja nicht komplett zerbrochen. Allmählich werden beide Seiten einsehen, dass sie mit einem blauen Auge aus dem Streit gehen werden.

Gibt es Vorzeichen für den Präsidentschaftswahlkampf 2016?
Nach acht Jahren eines einzigen demokratischen Präsidenten ist das Land in der Regel reif für einen Wechsel. Die Republikaner werden ihre Chance aufs Spiel setzen, wenn sie dieses und nächstes Jahr wie Blockierer wirken.

Ist die Kritik an dieser Blockadepolitik gerechtfertigt?
Die "Tea Party"-Leute sollten nicht dämonisiert und als verrückte Vögel abgetan werden. Sie schöpfen stark aus den Traditionen in einigen Teilen des Landes im Süden und Westen, wo die Reichweite der Regierung durch eine andere kulturelle Vorstellung geprägt wurde. Die Frage, was eine Regierung tun soll und was nicht, ist so alt wie die Republik.

Mit Jack Janes sprach

Johannes Schmitt-Tegge

Zum Thema:
Große Teile der US-Verwaltung sind geschlossen oder arbeiten nur im Notbetrieb, weil das Land seit 1. Oktober keinen verabschiedeten Haushalt hat. Hunderttausende Angestellte des öffentlichen Dienstes und andere Beschäftigte wurden in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Präsident Obama rief erneut zu einem Ende des "rücksichtslosen und schädigenden" Stillstands auf. Die Konservativen wollen einem neuen Etat nur zustimmen, wenn die Einführung von Kernstücken der Gesundheitsreform um ein Jahr verschoben wird.