Stefan Windau (48) die Quelle in Seegel bei Leipzig aus dem Dornröschenschlaf.
Während sich Otto-Normal-Wassertrinker wöchentlich mit schweren Kästen voller Mineralwasser-Flaschen abschleppt, haben es die neuen Quellenbesitzer wesentlich besser. Sie bahnen sich nur ein paar Schritte durch den noch zugewucherten Garten zum idyllischen Quellhaus, das wie eine kleine Kirchenkapelle aussieht. Dort schöpfen sie das sehr reine und eisenarme Wasser und trinken es stets frisch. Dabei genießen sie die Stille und Spiritualität, die diesen Ort im Elstertal umgeben.
An so manch einem warmen Sommerabend stellen sie sich vor, wie hier im Mai 1645 das erste Mal der Brunnen ausbrach. Seitdem zog er die Menschen magisch an. Sogar der Dresdner Hof ließ sich das Wasser in Fässern liefern. Als Mediziner interessieren Dr. Windau vor allem die Überlieferungen zu Wunderheilungen. "Es wird von einem Priester berichtet, der plötzlich wieder ohne Brille sehen konnte, von einem Bauern, der durch das Wasser die Krätze los wurde oder von einer Magd, die ihre Sommersprossen verlor", zählt der Internist auf. Sein Urgroßvater (in der Umgebung einst als Wassergott verehrt) füllte das Heilwasser in Bügelflaschen ab, von denen heute noch viele existieren. Überhaupt scheint die Zeit auf dem verwunschenen Grundstück stehen geblieben zu sein.
Die im 19. Jahrhundert eigens für das Wasser gebaute Schenke an der Straße ist ebenso original erhalten geblieben, wie das Quellhaus. "Ein Glücksfall", ist sich Dr. Win-dau bewusst, der das abgelegene, aber stark sanierungsbedürftige Areal vor ein paar Jahren von seiner heute 82-jährigen Mutter übernahm.
Seitdem krempeln er und seine Partnerin nach Feierabend und jedes Wochenende die Ärmel hoch. Allein 36 Container mit Sperrmüll mussten entsorgt werden. "Wir haben die Vision, dass die Leute wieder zu uns kommen, das gute Quellwasser trinken und bei Konzerten oder Lesungen Kraft schöpfen", schwebt An-drea Auster vor.
Auch planen die beiden Großstädter einmal für immer an der Quelle zu wohnen. Doch bis dahin sichten die Übersetzerin und der Arzt in ihrer knappen Freizeit weiter die Archive, bauen behutsam um und aus und trinken pro Tag zwei bis drei Liter aus der eigenen Quelle und nutzen das Wasser auch für ein entspanntes Bad.