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| 01:36 Uhr

Wulff im Fall Sarrazin unter Beschuss

Berlin. Die SPD spricht von einer Rettungsaktion für Christian Wulff, die Linke von Amtshilfe für einen Hetzer: Der Rückzug von Thilo Sarrazin aus der Spitze der Bundesbank ist auf Vermittlung des Bundespräsidialamtes zustande gekommen. Laut „Spiegel“ setzte Sarrazin dabei als Gegenleistung für seinen Abschied durch, dass seine monatliche Pension um 1000 Euro auf das Niveau angehoben wird, das ihm beim regulären Abschied 2014 zugestanden hätte.

Das Bundespräsidialamt bestätigte am Wochenende, dass es sich als Vermittler in den Streit zwischen Sarrazin und der Notenbank eingeschaltet hatte. Sprecher Olaf Glaeseker bestritt aber, dass es dem SPD-Mann eine höhere Pension verschafft habe. “Alle inhaltlichen Vereinbarungen wurden ausschließlich von den Vertragspartnern getroffen„, sagte er. Medienberichten zufolge hatte Wulffs Staatssekretär Lothar Hagebölling Sarrazin zum Amtsverzicht bewogen. Die Bundesbank wollte sich zu der Vereinbarung mit Sarrazin nicht äußern.

Laut “Focus„ ist der 65-Jährige voll pensionsberechtigt und erhält ab Oktober eine monatliche Altersversorgung von rund 10 000 Euro. Diese decke auch seine früher erworbenen Ansprüche als Berliner Finanzsenator, Staatssekretär in Rheinland-Pfalz und Beamter im Bundesfinanzministerium ab. Bei der Opposition stieß der Vorgang auf Empörung. Die Bundesbank habe einen Deal gemacht, “um den Bundespräsidenten zu retten und Herrn Sarrazin trotzdem los zu werden„, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der “Bild am Sonntag„. Wulff habe in dem Fall seine Neutralität verletzt. Die stellvertretende Linke-Vorsitzende Katja Kipping erklärte: “Sarrazin wird durch Hetze reich und erhält dafür offenbar sogar noch Amtshilfe aus dem Bundespräsidialamt.„ Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte der dpa: “Dieser Deal wird immer ein Makel für die Bundesbank und gesellschaftlich ein schlechtes Vorbild bleiben.„ dpa/roe