Am Dienstag wurde erneut mit einer Klage gedroht. Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) lasse Pläne des Landes Sachsen zur Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht verfassungsrechtlich prüfen, teilte die Organisation am Dienstag mit. Am Vortag hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) eine Klage gegen Sachsen erwogen.

Der Freistaat will Wölfe unter Jagdrecht stellen, aber ganzjährig schützen. Davon verspricht sich die Regierung ein größeres Engagement der Jäger beim Wolfsmanagement.

Der NABU hält einen solchen Alleingang Sachsens für „fachlich widersinnig und rechtlich äußerst bedenklich“. Der Bund allein habe die Kompetenz zur vollständigen und umfassenden Regelung der Naturschutzgesetze. Den Bundesländern seien zwar individuelle und abweichende Regelungen eingeräumt worden. Davon sei der Artenschutz jedoch ausdrücklich ausgenommen, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Sachsen verstoße daher eklatant gegen die Spielregeln des Miteinanders in Deutschland.

„Sollte die Novelle umgesetzt werden, sehen wir aus verfassungsrechtlicher Sicht große Probleme für Verwaltung, Jägerschaft und Naturschutz. Daher gehen wir, wenn nötig, bis vor das Verfassungsgericht, um diesen Irrweg zu stoppen“, sagte Tschimpke. Er verwies darauf, dass schon heute „auffällige Wölfe“ geschossen werden dürfen. „Sollte es Probleme mit dem Wolf geben, wird das dort geregelt, wo die Jägerschaft längst vertreten ist: im sächsischen Wolfsmanagement. Eine rechtliche Änderung ist daher nicht nur überflüssig, sondern löst auch keine praktischen Probleme.“ Eine ähnliche Argumentation hatte schon der BUND vorgetragen. Er befürchtet durch das sächsische Vorgehen einen „Dammbruch“ mit negativen Auswirkungen auf andere geschützte Tiere wie Luchs oder Biber. BUND-Präsident Hubert Weiger geht davon aus, dass die Hürden für einen Abschuss niedriger liegen, wenn der Wolf im Jagdrecht aufgelistet ist. Die Naturschützer sind davon überzeugt, dass der Finger des Jägers künftig lockerer am Abzug sitzt.

Zum Thema:

Zum Thema Die Ermittlungen zum Abschuss einer Wölfin in Kosel bei Niesky (Kreis Görlitz) wurden ohne Hinweis auf einen möglichen Täter eingestellt. Die Staatsanwaltschaft in Görlitz konnte nach eigenen Angaben keinen Verdächtigen finden. Sie hatte wegen Tötung eines Tieres und einer streng geschützten Art ermittelt. Die getötete Wölfin stammte aus dem Nochtener Rudel.