Von Benjamin Lassiwe

Im Land Brandenburg wird die Anschaffung von Herdenschutzzäunen und Herdenschutzhunden nun vollständig finanziell gefördert. Bislang war diese Förderung nur bis zu einer Obergrenze von 15 000 Euro innerhalb von drei Jahren möglich. Das teilte das Potsdamer Landwirtschaftsministerium am Freitag mit.

Gleichzeitig stellte das Ministerium den gemeinsam mit Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden überarbeiteten Wolfsmanagementplan vor. Darin wird von einem „aktiven Wolfsmanagement“ ausgegangen, das einsetzt, wenn „Konfliktlagen regional so groß werden, dass sie zu andauernden Problemen führen“.

Dies könne der Fall sein, wenn Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen in der Nähe von Siedlungen zunehmen, die tatsächliche Zahl der Übergriffe auf Weidetiere trotz Herdenschutzmaßnahmen nicht zurückgehe und andere bedrohte Tierarten durch die Wölfe in ihrem Erhaltungszustand gefährdet würden. In solchen Fällen könne eine „Reduzierung des Wolfsbestandes in festgestellten räumlichen Schwerpunkten erfolgen.“ Es sollen also Wölfe geschossen oder anderweitig entnommen werden.

„Der nunmehr dritte Wolfsmanagementplan für Brandenburg ist für keinen der beteiligten Verbände eine Ideallösung“, sagte der Präsident des Landesbauernverbands, Henrik Wendorff, der auch Vorstandsmitglied im Landnutzerverband „Forum Natur“ ist. Sehr wohl sei es aber „ein nach einem langen Weg gemeinsam gefundener Kompromiss für die Lösung der zukünftigen Herausforderungen.“ Man gehe diesen Weg mit, weil unter der Voraussetzung der Feststellung des „günstigen Erhaltungszustandes“ der Wölfe durch die Bundesministerien der Weg zu einem aktiven Management erstmals deutlich aufgezeigt wird. „Dies ist ein bundesweites Novum für einen Wolfsmanagementplan.“ Dagegen sagte die Geschäftsführerin des Nabu, Christiane Schröder, unabhängig von der Zahl der Wölfe sei die Weidetierhaltung nur mit guten Präventionsmaßnahmen möglich. „Der Abschuss von Wölfen soll auch weiterhin das letzte Mittel sein, um regionalen Konflikten entgegenzutreten.“ Damit ein Nebeneinander von Weidetierhaltung und Wolf möglich sei, brauche man aber auch „Forschung und technische Entwicklung für neue Wege der Prävention“.

Dagegen bezeichnete der Bauernbund Brandenburg, der nach Auskunft des Landwirtschaftsministeriums an den Verhandlungen für den Plan beteiligt war, diesen als „bereits veraltet“. Vorstandsmitglied Frank Michelchen erneuerte stattdessen die Forderung des Verbandes, Wölfe überall dort konsequent zu bejagen, wo Menschen und Weidetiere seien. „Die Menschen im ländlichen Raum haben die Nase voll von schönen Worthülsen und leeren Versprechungen.“