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| 01:39 Uhr

Wolfsforscher in der Lausitz sind per Funk auf den Spuren von Karl und anderen Jungtieren

Ein Lausitzer? Der Wolf im hessischen Reinhardswald. Foto: dpa
Ein Lausitzer? Der Wolf im hessischen Reinhardswald. Foto: dpa FOTO: dpa
Rietschen.. Auswanderer und Heimatverbundene haben Wolfs-Experten bei einem Projekt ausgemacht, dessen vorläufiges Ergebnis das Kontaktbüro „Wolfsregion Lausitz“ in Rietschen (Görlitz) am Freitag vorstellte. pm/dpa/js

In den Jahren 2009 und 2010 waren sechs Wölfe mit Halsbandsendern ausgestattet worden, die Aufschluss über ihr Ausbreitungs- und Abwanderungsverhalten geben sollten. Die vorläufigen Ergebnisse aus der aktuellen Studie zeigen deutlich die individuellen Unterschiede der “vierbeinigen Projektmitarbeiter„. Vier der Tiere werden aktuell überwacht.

Während der Jungwolf “Alan„ bereits mit knapp einem Jahr bis nach Weißrussland abwanderte, stellte sich sein Bruder “Karl„ als deutlich weniger wanderfreudig heraus. Nach einem etwa dreiwöchigen Ausflug nach Brandenburg (Teltow-Fläming) im März 2009 blieb er in der Nähe seines Elternterritoriums bei Nochten (Görlitz). Während der Paarungszeit im Februar und März hielt sich Karl überwiegend im Gebiet des Milkeler Rudels auf. Das wiederum war eine Provokation für den dort ansässigen Rüden “Rolf„. Filmaufnahmen zeigten beide Rüden mit Verletzungen, die sie sich offenbar gegenseitig bei Revierkämpfen zugezogen haben. Das Milkeler Rudel hatte im Vorjahr zusätzlich zu seinem aus 2008 bekannten Gebiet auch das Territorium des Neustädter Rudels übernommen. Offensichtlich musste es nun den nördlichsten Teil dieses großen Gebietes an “Karl„ abtreten, der von einer jungen Fähe begleitet wird.

Nach den drei Rüden des Vorjahres wurden im April 2010 von den Wissenschaftlerinnen des Wildbiologischen Büro Lupus im Rahmen des Projektes auch drei Wölfinnen besendert: die Fähe des Nochtener Rudels, eine ihrer einjährigen Töchter (Lisa) sowie eine ebenfalls einjährige Fähe aus dem Seenlandrudel (Mona).

Die Nochtener Fähe zieht seit Anfang Mai Welpen auf und verbringt die meiste Zeit in unmittelbarer Nähe ihres Nachwuchses. Ihre Tochter “Lisa„ interessiert sich bisher wenig für ihre jüngeren Geschwister, lebt eher ein “Teenagerleben„ im Territorium ihrer Eltern. Die gleichaltrige “Mona„ zeigt dagegen deutliches Interesse am Nachwuchs ihrer Mutter, der Seenland-Wölfin. Die Daten von “Mona„ zeigen, dass die junge Fähe immer wieder denselben Ort aufsucht. Das ist für die Biologinnen ein Zeichen, da sich dort die Welpen des Rudels befinden.

Im Laufe des nächsten Jahres werden “Mona„ und “Lisa„ immer selbstständiger werden. Mit zwei bis drei Jahren sollten sie versuchen, eine eigene Familie zu gründen. Ob sie dann in der Lausitz in einem noch nicht besetzten Gebiet ein neues Rudel gründen oder sich als ähnlich wanderfreudig entpuppen wie “Alan„, wird von den Wissenschaftlerinnen mit Spannung erwartet.

Die meisten Jungwölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren aus den Rudelterritorien der Elterntiere ab und versuchen einen Paarungspartner zu finden, mit dem sie in einem geeigneten Territorium ein eigenes Rudel gründen können.

In Richtung Westen hat es möglicherweise einen anderen Wolf gezogen. Das männliche Tier, das seit mehr als zwei Jahren im Reinhardwald nördlich von Kassel lebt, stamme aus einem sächsischen oder westpolnischen Wolfsrudel, berichtete das hessische Umweltministerium am Freitag. Das habe die genetische Untersuchung von Kot und Haaren zweifelsfrei ergeben. Damit bestätigen sich Vermutungen, dass der Wolf als Jungtier mehrere Hundert Kilometer von Ost nach West durch Deutschland gewandert ist.