Herr Krüger, wieso sprechen Sie von einem Meilenstein?
Weil der Kabinettsbeschluss das Gesetzgebungsverfahren einleitet und jetzt der mögliche Weg zu einer neuen Universität in der Lausitz aufgezeigt wird.

Dennoch hat es zur Mittagsdemo am Mittwoch an der BTU heftigen Protest gegeben. Wie bewerten Sie es, dass die Regierung beschließt, bevor die Volksinitiative im Landtag angehört wird?
Ich kann die Enttäuschung aufseiten der Gegner einer gemeinsamen Hochschule verstehen. Was ich aber vermisse: Außer Verteidigungsargumenten ist von dieser Seite kein inhaltlicher, konstruktiver Beitrag gekommen, wie die Region im wissenschaftlichen Wettbewerb zukünftig eine bessere Position einnehmen will.

Dennoch fühlt sich die Volksinitiative mit 33 000 gültigen Unterschriften missachtet.
Es ist doch keineswegs so, dass aller Protest umsonst gewesen wäre. Ganz im Gegenteil. Die Finanzierung der neuen Hochschule mit 66 Millionen Euro plus zehn Prozent, 10 000 garantierte Studienplätze, der Erhalt aller Standorte, aller Professoren- und Mitarbeiterstellen sowie ein Fünf-Jahres-Budget für alle Hochschulen im Land - das sind Forderungen gewesen, die dem Land abgerungen wurden. Und ich sage, dass ein Gesetz nie so aus dem Parlament rauskommt, wie es hineingegeben wurde. Mit einer Verzögerungshaltung wird der Zukunft der Hochschullandschaft in der Lausitz und der neuen Uni ein Bärendienst erwiesen.

Womit beschäftigt sich der wissenschaftliche Beirat zurzeit?
Wir versuchen, Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Emmermann-Kommission zu BTU Cottbus und HSL Senftenberg abzuleiten. Etwa, dass die Wissenschaftseinrichtungen eine dienende Funktion für die Wirtschaft in der Region haben. Das klappt bisher an der HSL in Senftenberg besser. Zu all diesen Themen hört das Expertengremium Vertreter der Hochschulen, organisiert wissenschaftliche Konferenzen, um der anvisierten BTU Cottbus-Senftenberg ein neues Gesicht zu geben. Es geht letztlich um die Ausgestaltung des Profils Energie, Mensch, Umwelt in Lehre und Forschung.

Welche Ergebnisse gibt es bisher?
Es ist uns nach einer Vielzahl von Präsentationen noch nicht gelungen, zu einheitlichen Papieren zu kommen. Deshalb gehen wir den nächsten Schritt über Fachkonferenzen: in der nächsten Woche zum Thema Energie und Umwelt. Für uns ist das ein Mega-Thema, weil Energiepolitik nicht ohne Umweltpolitik zu denken ist. Weil es darum geht, wie künftige Generationen leben wollen.

Werden Sie dem Gründungssenat der neuen Uni ein fertiges Konzept vorlegen?
Keineswegs, das würde niemand akzeptieren. Aber wir sind bemüht, eine mögliche Struktur und die Entwicklungschancen einer neuen BTU zu beschreiben. Die Entscheidungen fallen im Gründungssenat. Wir liefern bestenfalls eine gute Vorlage, damit nicht von null angefangen werden muss.

Das ist ein hoher Anspruch.
Sicher, aber es gibt nun einmal keinen Masterplan für eine neue Uni und einen neuen Präsidenten.