Große Personalrochade in Potsdam: Nach mehreren Tagen Spekulation hat Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) gestern seinen Chef der Staatskanzlei, Rudolf Zeeb, in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

"Die Begründung ist ganz kurz gesagt: Das Vertrauensverhältnis ist gestört, sodass eine Zusammenarbeit in der Staatskanzlei nicht mehr möglich ist", sagte Woidke vor Journalisten in Potsdam. Zeeb war wegen seiner Rolle in der Dienstwagenaffäre zunehmend unter Druck geraten, zudem waren in den vergangenen Tagen Berichte über lautstarke Auseinandersetzungen zwischen ihm und Woidke bekannt geworden. Auch ein Rücktrittsgesuch lag bereits seit mehreren Wochen vor.

"Wir haben als Koalition noch viel vor - diese Dinge müssen in den Vordergrund treten", sagte Woidke. "Da sind Auseinandersetzungen wie in den letzten Wochen störend."

Auch auf mehreren anderen Potsdamer Posten wird es Veränderungen geben. Nachfolger von Zeeb in Potsdam soll der bisherige Leiter der Brandenburger Landesvertretung in Berlin, Staatssekretär Thomas Kralinski, werden.

Der SPD-Politiker gilt als Netzwerker, der das Amt in Berlin in den vergangenen Monaten diplomatisch und effektiv ausgeübt hat. Zuvor hatte er als Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion in Potsdam Erfahrungen gesammelt. An seiner Stelle wird künftig Kulturstaatssekretär Martin Gorholt (SPD) die Interessen des Landes Brandenburg in Berlin wahrnehmen. Gorholt, der auch Sorbenbeauftragter des Landes Brandenburg ist, hatte sich zuletzt vergeblich um das Landratsamt im Havelland beworben.

Für Gorholt wiederum kommt eine externe Kraft ins Ministerium für Wissenschaft und Forschung: Mit der Kanzlerin der Technischen Universität Berlin, Ulrike Gutheil, soll laut Woidke eine ausgewiesene Fachfrau für die Hochschulpolitik verantwortlich werden. Die 57-Jährige war schon einmal in Brandenburg: von 1999 bis 2004 als Kanzlerin der damaligen Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

Zudem tauschte Woidke gestern seinen Regierungssprecher aus: Statt des erst vor einem Jahr ins Amt gekommenen Andreas Beese wird nun der Sprecher des Bildungsministeriums, das SPD-Urgestein Florian Engels, zum wichtigsten Kommunikator der Landesregierung werden.

Mit den Personalveränderungen unternimmt Woidke einen überfälligen Befreiungsschlag. Seit Wochen hat sich die Brandenburger Landespolitik mit nicht viel anderem als der Dienstwagenaffäre beschäftigt, zu deren Exponenten auch Rudolf Zeeb gehörte. Auf Nachfrage musste Woidke aber gestern einräumen, selbst nicht einmal die Akten des Vorgangs zu kennen. Stattdessen hatte er Zeeb vertraut. "Der Chef der Staatskanzlei war von mir beauftragt, diese Dinge zu klären", sagte Woidke. Die oppositionelle CDU, die sich über Woidkes Befreiungsschlag verständlicherweise nicht freuen konnte, warf dem Ministerpräsidenten dann auch vor, nur von seinen eigenen Versäumnissen ablenken zu wollen. Denn Zeeb habe im Landtag ja nur im Namen der Landesregierung gehandelt.