Von Benjamin Lassiwe

Es ist der dunkelste Ort Deutschlands, dunkler noch als der Sternenpark im Westhavelland. Auf den 120 Quadratkilometern Fläche des ehemaligen Bombodroms in der Kyritz-Ruppiner Heide sieht man nachts kein fremdes Licht, sagt Michael Beier. „Hier ist das echte Dunkeldeutschland.“ Beier ist Geschäftsführender Vorstand der Heinz-Sielmann-Stiftung. Seit neun Jahren kümmert sich die Stiftung um das Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes. Entstanden ist ein touristischer Geheimtipp im Norden Brandenburgs: Bislang verirren sich nur wenige Tausend Menschen im Jahr in die von weiten Heideflächen geprägte, weitgehend sich selbst überlassene Naturlandschaft.

Einer der Besucher war am Mittwoch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). „Mir hat an der Sielmann-Stiftung immer gefallen, dass sie mit den Menschen gemeinsam Naturschutz macht“, sagte der Ministerpräsident, den seine traditionell in den Sommerferien stattfindende, zusammen mit dem Tourismusmarketing des Landes organisierte Sommer-Tourismus-Pressefahrt in das ehemalige Bombodrom-Gelände führte.

Und Woidke ließ es sich auch nicht nehmen, dort einmal ein „Fatbike“ auszuprobieren: Ein mit einem Elektromotor versehenes Mountainbike, mit dem der geneigte Urlauber auch im tiefsten Sand nicht steckenbleibt.

Verliehen werden diese Fahrräder von Susann und Andreas Richter aus Pfalzheim, einem Ort ganz in der Nähe der Kyritz-Ruppiner Heide. „Wir haben einfach gemerkt, dass man hier mit einem normalen Fahrrad nicht durchkommt“, sagt Andreas Richter. Mit den Fahrrädern können die Urlauber vor allem einen 14 Kilometer langen, sandigen Wanderweg im südlichen Teil des Truppenübungsplatzes befahren: Denn dieser Weg ist mittlerweile munitionsberäumt. Und sie können zum Sielmann-Hügel mit dem dortigen Aussichtsturm fahren, von dem aus gerade in der Zeit der Heideblüte eine schöne Fernsicht über das Gelände besteht.

Viele andere Teile der Kyritz-Ruppiner-Heide sind dagegen auch zehn Jahre nach dem Ende der militärischen Nutzung des Geländes weiter tabu. Streumunition aller Art findet sich überall zwischen Kiefern, Birken und Heidebüschen.

Zwei Munitionsbergungsfirmen seien mit 130 eingesetzten Mitarbeitern gerade auf dem Gelände unterwegs, berichtet Rainer Entrup, Betriebsbereichsleiter im Bundesforstbetrieb Westbrandenburg. Doch es werde noch Jahrzehnte dauern, bis das Gelände munitionsfrei sei. Was der Entwicklung der Natur allerdings nicht schade. Bei den von örtlichen Anbietern organisierten Kremserfahrten, den „Fatbike“-Touren oder einem Spaziergang zum Aussichtsturm könne man bis zu 350 verschiedenen Schmetterlingsarten begegnen, sagt Michael Beier.

Wiedehopf, Steinschmelzer und Ziegenmelker kämen auf dem Gelände vor. Und wer Glück hat, kann in der Kyritz-Ruppiner-Heide sogar das neue, heimliche Wappentier der Mark Brandenburg beobachten: Den Wolf, der in der unberührten Naturlandschaft natürlich ebenfalls heimisch geworden ist. Nur wenn es über der Naturlandschaft so richtig dunkel wird, möchte man auf dieses Erlebnis vielleicht doch besser verzichten . . .