Die Pro-Kopf-Verschuldung in der sächsischen Landeshauptstadt liegt Roßberg zufolge bei rund 1800 Euro. Mit 741 Millionen Euro könnte die Stadt all ihre Schulden tilgen. Das brächte vor allem eine massive Entlastung des Verwaltungshaushalts, in den der städtische Schuldendienst bisher eingeflossen ist. 75 Millionen Euro "freie Mittel" blieben jährlich nach Tilgung der Schulden übrig. "Das kann durchaus Begehrlichkeiten der Kommunalpolitiker wecken", glaubt das Stadtoberhaupt. Widerstand würde sich vor allem gegen die "Verschleuderung des kommunalen Tafelsilbers" regen.
Vor rund zwei Wochen war bekannt geworden, dass die US-Investorengruppe Fortress die Woba kaufen will. Das Unternehmen hat sich dazu verpflichtet, mehr als 41 000 der insgesamt 49 000 Wohnungen zu halten. Eine Lenkungsgruppe des Stadtrats hat sich für das Angebot von Fortress ausgesprochen. Der Stadtrat hatte bereits im vergangenen Juli einem 100-prozentigen Verkauf der Woba zugestimmt. Davor war das Thema in Dresden über Wochen heftig diskutiert worden. Am 9. März entscheidet nun das Kommunalparlament über den Verkaufsvertrag.
Sollte es zum Woba-Verkauf kommen, will die Stadt vor allem den Standard von Horten, Kitas und Schulen erhalten und verbessern, erläutert Roßberg. Da gebe es massiven Nachholbedarf beim Brandschutz und bei der Asbestsanierung. So ist beispielsweise die Sanierung des Romain-Rolland-Gymnasiums geplant, eine überregional bekannte Bildungseinrichtung mit neusprachlicher Ausrichtung. Auch der Neubau einiger Einrichtungen wäre möglich. 15 Millionen Euro würde der Ausbau des Kulturpalastes zur modernen Konzerthalle kosten. Die gleiche Summe würden auch die geplante Sanierung und der Ausbau des Zoos verschlingen.
Trotz Geldnöten steht Dresden im Vergleich zu vielen ostdeutschen Städten aber recht gut da. Das Wirtschaftswachstum in der Region lag 2005 wie in den Vorjahren bei rund vier Prozent. Damit kann die Stadt auch 2006 mit guten Einnahmen aus der Gewerbesteuer rechnen. Vor allem die Branchen Mikroelektronik, Biotech und Solartechnik entwickeln sich gut.
Natürlich ist in einer Kunststadt wie Dresden auch der Fremdenverkehr eine ernst zunehmende Größe. 2005 erlebte Dresden laut Roßberg einen "Tourismusboom". Vor allem die Weihe der Frauenkirche lockte elf Prozent mehr Besucher nach "Elbflorenz", eine nach den Worten Roßbergs bundesweit einmalige Steigerung. Die Dresdner Hotellerie verzeichnete zugleich mehr als drei Millionen Übernachtungen. Im Schnitt halten sich jeden Tag rund 100 000 Besucher in der Stadt auf, womit man langsam an die Kapazitätsgrenzen einer Halb-Millionen-Stadt stoße.
Für 2006 erwartet das Stadtoberhaupt zwar keine vergleichbaren Steigerungsraten, doch dürften die Touristenzahlen durch das Stadtjubiläum und die Eröffnung des historischen Grünen Gewölbes im Residenzschloss mit rund 3000 einmaligen Exponaten dennoch weiter zulegen.