Zwar wächst die Zahl der Projekte, doch fehlen neue Baustellen.
„Schwimmende Häuser sind ein Schwerpunkt für die zweite Halbzeit der Internationalen Bauausstellung (IBA)“, sagt Geschäftsführer Rolf Kuhn. Mit 25 Projekten gibt die IBA Impulse für eine Zukunft nach der Kohle im Süden Brandenburgs. Im Sommer schrieb sie einen Architekturwettbewerb für ein mobiles schwimmendes Haus aus. „Diese Häuser sollen die größte künstliche Wasserlandschaft Europas um etwas Neues bereichern“, erläutert Kuhn. „Sie sollen international die gleiche Aufmerksamkeit finden wie etwa die Industriedenkmale der riesigen Förderbrücke F 60 in Lichterfeld, das Industriemuseum in Plessa und die Biotürme der ehemaligen Kokerei-Kläranlage in Lauchhammer.“

Die Lausitzer Seenkette umfasst 7000 Hektar Wasserfläche zwischen dem südbrandenburgischen Senftenberg und dem ostsächsischen Hoyerswerda. Die zehn großen Gewässer werden nach Abschluss der Flutung in zehn Jahren durch 13 schiffbare Kanäle verbunden sein - ein erhofftes Paradies für Freizeitkapitäne aus ganz Deutschland. „Mit Sandstränden allein gewinnen wir dort aber keinen Blumentopf“, merkt IBA-Projektbetreuer Michael Feiler an.

An einigen Gewässern entstanden deshalb für Touristen bereits Campingplätze sowie Segel- und Sportboothäfen, und am Sedlitzer See können sogar Wasserflugzeuge starten und landen. Die Kanäle zwischen den Tagebauseen sind so breit ausgelegt, dass außer Booten später auch schwimmende Häuser passieren könnten. Zu weiteren Projekten gehören eine schwimmende Hotelanlage am Blunoer Südsee, ein Speedboot-Center am Spreetaler See und eine Marina mit vorgelagerten schwimmenden Häusern am Geierswalder See.

Schwimmende Häuser lassen sich aber nun einmal nicht so leicht bauen wie Häuser auf dem Festland. Ihr Fundament muss größeren Wellen trotzen und fest am Ufer oder im Seeboden verankert sein. Zudem ist die Ver- und Entsorgung zu klären. Bis zum Verkauf der Seen und Uferflächen im früheren Braunkohlerevier übt die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungs GmbH (LMBV) die Bergaufsicht aus.

In Sachsen ist für die Übernahme der großen Tagebauseen Anfang dieses Jahres die vertragliche Basis geschaffen worden. Für Brandenburg sollen die Verhandlungen zwischen dem Land und der LMBV noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. „Durch das Rahmenabkommen der LMBV mit dem Freistaat Sachsen können nun auch Uferflächen, die für die Ansiedlung von schwimmender Architektur geeignet sind, ausgeschrieben werden“, sagt Unternehmenssprecher Uwe Steinhuber.

So soll am Ufer zwischen dem Partwitzer und dem Sedlitzer See mit dem Projekt Aqua Casa (Wohnen auf dem Wasser) eine ganze Siedlung entstehen. Investor ist die Aqua Terra Lausitz GmbH. Als Attraktion ist dort ein 1000 Meter langer Steg über den See geplant, neben dem eine schwimmende Jugendherberge gebaut werden soll.

„Wir wollen auf dem Geierswalder See ein schwimmendes Restaurant errichten und haben auch einen Vorschlag für den Bau von weiteren Häusern unterbreitet“, erzählt Wolfgang Fischer von der Projektentwicklungsgesellschaft ARCHE.tec GmbH. Die Firma entwickelte gemeinsam mit der Schiffs- und Yachtwerft in Dresden ein neues Schwimmsystem. Derzeit werde ein Musterhaus auf einem Teich in Zehdenick (Oberhavel) errichtet. „Auf dem Geierswalder See könnten schon seit zwei Jahren Häuser schwimmen, doch es fehlen die Kraft der IBA und eine ähnliche „Elefantenrunden“ aller Beteiligten wie bei der Tauchschule auf dem Gräbendorfer See“, begründet Kuhn den Zeitverzug.

„Auf dem Bergheider See bei Lichterfeld (Elbe-Elster) könnte unweit der gigantischen F60-Förderbrücke bald ein schwimmendes Feiler. Vier Millionen Euro soll es kosten. Die ersten Gäste werden 2010 erwartet, wenn die IBA ihre Tätigkeit in der Region nach zehn Jahren beendet.