Schmuddelige Gemeinschaftsküchen und abgewetzte Möbel waren gestern - in Berlin werden Studentenwohnheime immer luxuriöser. Nicht nur das Studentenwerk saniert seinen Bestand. Auch private Investoren sorgen für neue Wohnungen und einen neuen Standard.

Das Angebot an Wohnraum wächst auch dank erster kommunaler Unternehmen, die für junge Mieter mit kleinerem Budget bauen. Die Investitionen sind Teil eines Plans, demzufolge in den kommenden Jahren Wohnungen für 5000 Studenten geschaffen werden sollen. Nur auf eines müssen sie da auch weiterhin verzichten: viel Platz.

Eines der wohl attraktivsten Apartmenthäuser soll in diesen Wochen in Gesundbrunnen fertig werden. 400 Apartments hat der private Anbieter Campus Viva in der Jülicher Straße gebaut. Eine voll möblierte, rund 20 Quadratmeter große Wohnung kostet hier 370 Euro kalt. Zur Anlage gehören auch Gemeinschaftsflächen mit freiem Wlan, ein Fitnessraum, ein Kicker-Raum, ein Wasch-Center, ein Lernraum, eine Gartenterrasse mit Liegewiese sowie eine Dachterrasse. Und wer ihn braucht, kann einen Tiefgaragenstellplatz mieten - für 50 Euro im Monat.

Auch in Treptow-Köpenick sind Wohnungen zu ähnlichen Preisen entstanden. Der Investor Grundstein Development GmbH feierte kürzlich ein Übergabefest für die Wohnanlage "Medienfenster Adlershof" mit 153 Apartments. Die voll möblierten Wohnungen sind den Angaben zufolge auf die Bedürfnisse von Studenten und Wissenschaftlern abgestimmt. "Wohlfühlen auf kleinem Raum" lautet hier das Motto. Ein 24-Quadratmeter-Zimmer ist hier für 450 Euro kalt zu haben. Mit noch weniger Platz, nämlich 16 Quadratmetern, müssen sich Studenten begnügen, die künftig ein Apartment von Berlinovo in Lichtenberg beziehen wollen. "Mut zu Micro" lautet hier das Konzept für voll funktionsfähige Einzelapartments auf kleinem Raum, auf dem alles Nötige für Wohnen, Schlafen, Essen und Sanitär untergebracht sind - für voraussichtlich 315 Euro brutto warm.

Warteliste beim Studentenwerk

Berlinovo gehört zu den ersten landeseigenen Gesellschaften, die den Plan umsetzen, mehrere Tausend Studentenwohnungen zu schaffen. Der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte bereits 2013 mehr Wohnraum für Studenten versprochen. Der ist noch immer dringend nötig. Beim Studentenwerk stehen derzeit laut einer Mitarbeiterin 1830 Bewerber auf der Warteliste, die zum Oktober ein Zimmer suchen. Das Studentenwerk hat rund 9500 Wohnheimplätze. Die landeseigene Degewo hat in Adlershof bereits 31 Wohnungen im Quartier "Wohnen am Campus" errichtet. Deren Mietpreise - die Nettokaltmiete liegt bei 6,50 Euro pro Quadratmeter - sind laut Sprecher Lutz Ackermann auf das Budget von Studenten zugeschnitten.

Laut Ackermann plant das Unternehmen ab dem zweiten Quartal 2017 auch weitere Wohnungen für 126 Studenten in Marzahn. Die kommunale Gewobag will laut Sprecherin Gabriele Mittag möglichst Ende des Jahres mit Bauarbeiten in Wedding starten. Insgesamt sollen in zwei Objekten Wohnungen für mehr als 120 Studenten entstehen. Die Baugenehmigungen seien aber noch nicht erteilt worden, sagte Mittag. Voraussichtlich von Anfang 2017 an will die ebenfalls landeseigene Gesobau 141 Plätze in Mitte schaffen.

Leben im Container

Auch in Charlottenburg sind Unterkünfte vorgesehen. Dort will die WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte in Modulbauweise errichtete Flüchtlingsunterkünfte später an Studenten vermieten. Wann das genau geplant ist, lässt sich nach Angaben von Sprecherin Steffi Pianka noch nicht genau sagen. "Fakt ist, dass wir hier preiswerte kleine Wohnungen planen und diese möglichst zügig umsetzen wollen und flexibel auf die tatsächlichen Nutzer reagieren werden."

Ebenfalls in Modulbauweise ist das Studentendorf Eba 51 in der Nähe des Plänterwalds entstanden. Hier sollten zunächst ausgediente Schiffscontainer bewohnbar gemacht werden. Doch die Umbauten hätten sich als zu aufwendig erwiesen, sagte Geschäftsführer Jörg Duske. Daher sei das Unternehmen auf neue Container umgestiegen, die inzwischen fast alle vermietet seien.

"Nur noch vereinzelte Doppelcontainer sind frei." Die Plätze in den von einer Innenarchitektin individuell gestalteten Containern seien sehr begehrt. Duske: "Wir brauchen keine Werbung."