In dem kleinen württembergischen Städtchen am Zusammenfluss von Neckar und Sulm, nördlich von Heilbronn, ist im denkmalgeschützten früheren Gaswerk das schwäbische Familienunternehmen tätig, das als eines von wenigen in Deutschland das Glockengießerhandwerk noch traditionell ausübt.
An diesem 20. Dezember werden unter Beobachtung zahlreicher Medienvertreter aus ganz Deutschland und vie-ler Besucher die sieben Glocken für die Frauenkirche in Dresden gegossen. Nachdem Bachert im September den ehrenvollen und prestigeträchtigen Auftrag vom Stiftungsrat der Frauenkirche erhalten hat, reißt das Medieninteresse an dem Handwerksbetrieb nicht ab. In der nunmehr siebten Generation seit 1725 werden heute mit 18 Mitarbeitern unter der Leitung von Glockengießermeister Albert Bachert und seiner Frau Christiane Glocken für Geläute in ganz Europa gegossen.

Untadeliger Ruf in der Branche
Die Bachert GmbH hatte seinerzeit den Zuschlag zu dem begehrten Auftrag erhalten, nicht nur weil sie das wirtschaftlich günstigste Angebot abgegeben hatte, sondern weil die Firma einen untadeligen Ruf in der Branche genießt. So wurde zum Beispiel die Olympia-Glocke für die Olympischen Spiele in München bei Bachert gegossen, zum Jahr 2000 war es die "Jahrtausendglocke" für St. Michael in Hamburg. Gerade fertig geworden ist die größte Glocke, die Bachert je gegossen hat und die später in der katholisch-orthodoxen Kirche von Tiflis in Georgien erklingen wird. Glockengießer sei ein Beruf geblieben, "der hart und schmutzig ist", sagt Christiane Bachert, und den man nicht ohne Begeisterung und auch nicht ohne Glauben ausüben könne.
Fünf Tonnen Bronze werden für die Glocken der Frauenkirche verwendet. Beim Gussvorgang ergießt sich die Legierung erhitzt auf 1060 bis 1080 Grad in die Glockenformen. Stets findet der Guss an einem Freitag um 15 Uhr, am Sterbetag und zur Sterbestunde Jesu statt, begleitet von Gebeten und im Rahmen einer Andacht. Die Glocken der Frauenkirche sollen im Frühjahr nach Dresden gebracht werden, wo sie in dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten und nun wieder erstehenden Gotteshaus zu Pfingsten geweiht werden sollen.
Jede Glocke soll nicht nur einen unverwechselbaren Ton, sondern auch eine Persönlichkeit bekommen. Passend zum jeweiligen Namen Jesaja, Johannes und Jeremia für die großen, Josua, Philippus, Hanna und David für die kleinen Glocken erzählt der Neckar-steinacher Künstler Christoph Feuerstein in der Glockenzier eine Geschichte, die man auch noch in 300 Jahren verstehen soll.

Geläut muss sich einfügen
Nur eine Glocke des historischen Geläutes der Frauenkirche, die "Maria", hat überlebt, weil sie unter Denkmalschutz stand und im Zweiten Weltkrieg nicht für die Waffenproduktion eingeschmolzen werden konnte. In ihren Klang, vor allem aber auch in den Klang der Glocken von Hof- und Kreuzkirche, muss sich das neue Geläut der Frauenkirche harmonisch einfügen. Dafür ist eine Ton-Stimmung auf Dreisechzehntel-Töne genau erforderlich.
Wie man das erreicht, dass ist das Familien- und Betriebsgeheimnis von Albert Bachert. Einige Wochen nach dem Guss, wenn die Glocken unter einer festen Erdschicht abgekühlt aus der Grube gehoben werden, wird sich beim ersten Anschlagen zeigen, ob der Guss gelungen ist.
Für Albert Bachert ist das jedes Mal ein "Geschenk des Himmels". Ein Geschenk der Bacherts wird im nächsten Jahr in Bad Schandau eintreffen: Während der Glockenherstellung gab es regelmäßig Führungen. Die Eintrittsgelder dafür, mittlerweile eine vierstellige Summe, sollen Opfern der Flutkatastrophe zugute kommen. Internet: www.frauenkirche-dresden.de